Eine Leiche in der Laichzeit?

Meine Tochter hatte sich in den Frosch verliebt, der nun schon eine Weile in ihrer Hand saß und sich sichtlich wohlfühlte. Seit diesem Erlebnis machten wir jedes Jahr einen Ausflug zu dem kleinen Teich, um die Frösche zu besuchen, die jährlich zur Laichzeit zurückkehrten. Es war ein lustiges Schauspiel und wir verbanden es immer mit einem Picknick.

Auch im März 2017 packten wir unseren Picknickkorb, parkten das Auto am Waldrand und spazierten Richtung Teich. Auf dem Weg fiel mir plötzlich ein, dass ich etwas vergessen hatte, also schickte ich die Kinder schon zum Teich und bat sie das Picknick vorzubereiten, während ich nochmals zum Auto lief. Wieder auf dem Rückweg, kamen mir die Kinder aufgeregt entgegen gelaufen und redeten von Haaren im Wasser. "Da ist etwas im Wasser mit Haaren drauf", verdeutlichte mir mein damals 11-jähriger Sohn. Nachdem es sich um einen privaten Teich handelte, in dem oft auch diverse Gegenstände schwammen, versicherte ich ihm, dass es sich wohl um eine Puppe handelte. "Die sehen aber sehr echt aus" bekam ich zur Antwort. "Vielleicht wollen sie einen Scherz mit mir machen", fuhr es mir durch den Kopf, also erwidderte ich: "Ihr seht nicht so aus, als hättet ihr eine Leiche gesehen", den sie machten auf mich eher einen fröhlichen als einen schockierten Eindruck.

Mittlerweile waren wir beim Teich angekommen und die Kinder zeigten auf eine Stelle im Teich. Ich traute meinen Augen nicht. Da ragte doch tatsächlich der Haarschopf eines Hinterkopfes aus dem Wasser. "Oh du heilige Scheiße!". Ich kramte mein Handy heraus, kein Empfang. Gottseidank hatte ich auch mein Firmenhandy mit. Ich hatte so zittrige Finger, dass ich ewig brauchte das Handy zu entsperren und die Notrufnr zu wählen, während mein Sohn bereits seelenruhig begann, das Picknick wieder einzupacken. Meine damals 9-jährige Tochter merkte in ihrer kindlichen Unschuld an "Hier mag ich kein Picknick machen". Die Dame vom Notruf fragte ungläubig "Sind sie sich sicher?". Nachdem ich sie überzeugen konnte und aufgelegt hatte, marschierten wir rauf zum Dorf, um Hilfe zu holen. Ein junger Mann lief sofort zum Teich, als er von dem leblosen Körper hörte. Eine ältere Frau folgte ihm - Ehefrau und Sohn wie ich später erfuhr. Um weitere Dramen zu vermeiden, folgte ich ihnen. Die Kinder lies ich im Dorfzentrum warten. Der Mann hatte mittlerweile den leblosen Körper aus dem Wasser geholt, dunkelblau angelaufen. Emotionen, Schreie, Weinkrämpfe folgten. Die Frau war still. Ein Familiendrama entblöste sich vor meinen Augen. Jedes tröstende Wort wäre fehl am Platz gewesen. Als die Polizei kam, machte ich mich mit den Kindern wieder aus dem Staub, noch immer fassungslos. "Woher wusstest du, dass er bereits tot war" wurde ich gefragt. Ich wußte es einfach, aber nach dieser Frage kamen mir Zweifel, was wenn doch nicht? Ich hätte doch nicht die Leiche vor den Kindern rausziehen können. Am Abend kam der erlösende Anruf der Polizei, der Mann war schon einige Stunden tot

© Andrea