Seelenverbundenheit

Es war Freitag Nachmittag, die Sonne lachte vom Himmel und die Läufer und Läuferinnen fanden sich im Startbereich ein. Jetzt war es wieder so weit - das jährliche Firmenevent, das jedes Jahr in einem anderen Bundesland stattfand und zu dem viele Kollegen aus ganz Österreich angereist kamen. Dieses Mal trafen wir uns in der Nähe von Wien. Eine Mischung aus Feiern und sportlichen Wettbewerben erwartete uns die nächsten 2 Tage. Zuerst war der 10 km Lauf dran. Ein Blick in die Runde der sich vorbereitenden Athleten zeigte mir viele bekannte Gesichter. Aber wer war den das und überhaupt, was machte er den mit dem CD-Player in der Hand? Naja, sportlich sah er schon aus, aber das hier ist ein Wettlauf und keine Musikstunde. "Naja, jeder wie er will", dachte ich mir und schon ging es los. Ich fand mein Tempo und hängte mich hinter einen kleinen Mann mit Schnauzbart, der gar nicht wie ein Läufer aussah, aber zuverlässig und gleichmäßig wie ein Zieh-Auf-Männchen lief. Genau meine Taktik, um Kraft zu sparen. Aber wer war den das neben mir? Schon wieder dieser Typ mit dem CD-Player, hat der jetzt die gleiche Taktik wie ich? Wir liefen beide in einem flotten Tempo hinter dem schnauzbärtigen Mann her. Kaum war der letzte Kilometer angebrochen, so lies ich der übrig gebliebenen Energie freien Lauf, überholte beide und setzte zum Endspirt an. "Die habe ich aber ganz schön abgehängt" ging mir durch den Kopf, als mich plötzlich der CD-Player-Typ überholte und kurz vor mir die Ziellinie überquerte. Wow, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Es blieb auch keine Zeit für langes Geschwätze, alle liefen davon, um sich für den Abend fertig zu machen.

Abends, nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es auf die Tanzfläche. Ich tanzte mit einem Kollegen, als ich weiter hinten auf der Tanzfläche den CDPlayer-Typ erspähte - dieses Mal ohne CD-Player und mit einer Kollegin tanzend. Die Musik war flott, ich hatte Spaß und achtete nicht weiter auf ihn. Doch plötzlich tanzten wir nebeneinander, unsere Blicke trafen sich und wir blieben beide mitten in der Musik wie angewurzelt stehen und starrten uns an. Ich nahm nichts rund um mich wahr, war plötzlich wie in einer anderen Welt, total versunken in diese intensive Verbindung, die sich da vor mir auftat. Ich hatte das Gefühl durch seine Augen in seine Seele blicken zu können. Die Musik hörte irgendwann auf, der Zauber des Augenblicks war damit vorbei und erst da merkte ich die verduzten Blicke meines Tanzpartners, den ich einfach so auf der Tanzfläche stehen gelassen hatte. Was war das denn eben? Das hatte ich noch nie erlebt. Peinlich berührt und verwirrt wandte ich mich wieder meinem Tanzpartner zu.

Erst später in der Nacht, setzte ich mich abseits der Leute hin und wollte alleine sein, um nachzudenken. Wo war mein Seelenpartner geblieben? Ich saß nicht lange da, als ER von hinten auf mich zu kam und mich grinsend zum Tanzen aufforderte. Mein Herz machte einen Luftsprung, wir gaben uns die Hand und das war der Beginn einer langen Liebe

© Andrea