Uralte Medizin neu entdeckt...

Im Herbst weilten wir einige Tage auf Urlaub in Medulin. Ich war gerade dabei mich fertig zu machen, um eine Runde mit dem Kajak zu fahren, als am Bettrand sitzend plötzlich die schwere, hölzerne Vorhangstange runterknallte und mit der scharfen Kante mit voller Wucht meine mittlere Zehe traf. Welch ein Schmerz, der auch nach einer gefühlten Ewigkeit noch nicht besser wurde. Ich hielt die Zehe schmerzverzerrt und wagte dann doch einen Blick: oh Schreck, dunkelblau angelaufen und geschwollen. Mein Mann sagte wir sollten ins Krankenhaus fahren. Wenn da nicht dieses Buch wäre, welches ich vor kurzem gelesen hatte und wo der Autor die Pechsalbe aus Harz und vor allem deren frühere Anwendung bei Knochenbrüchen und schweren Verletzungen beschrieb. Ein Gedanke huschte flüchtig durch meinen Kopf "Das musste so sein, nur so kannst du die Wirkung selbst erfahren". "Ich liebe Experimente", dachte ich und schickte meinen Mann mit den Kindern in den nahegelegenen Naturpark zum Harz sammeln. Es dauerte nicht lange bis sie gut gelaunt mit einem halben Glas voller Harz zurückkamen - das sollte reichen. Ich machte mich gleich am Herd an die Arbeit. Details wusste ich keine auswendig, aber wie man das beim Kochen so macht, einfach nach Gefühl - etwas Olivenöl mit etwas Johanniskrautöl erwärmt, dann das Harz reingegeben. Es hat sich wunderschön darin aufgelöst, danach wurde alles abgeseiht und innerhalb von wenigen Minuten war mein kleiner Tiegel Salbe fertig. Nun musste sie noch etwas auskühlen und dann habe ich sie dick aufgetragen und fest umwickelt. Das war um die Mittagszeit, am Nachmittag bin ich etwas durch die Gegend gehumpelt, auftreten konnte ich nicht wirklich - hat viel zu sehr weh getan. Die Zehe hat durch die Salbe gearbeitet wie verrückt. In der folgenden Nacht haben mich die starken Schmerzen aufgeweckt, aber ich konnte wieder einschlafen und in der Früh war der Schmerz plötzlich weg!

Ich probierte vorsichtig aufzusteigen und es ging - ohne Schmerzen. Wow, dachte ich mir nur. Das ist ja schon mal ein guter Erfolg. Euphorisch schlug ich meinem Mann vor, dass wir eine Runde mit dem Rad fahren. Am 2. Tag konnte ich nicht widerstehen und musste eine Runde laufen gehen. Die Zehe war noch leicht geschwollen, aber beim Laufen war alles ok.

Am 3.Tag ließ ich mich vorsichtig darauf ein, mit meinem Sohn Fußball zu spielen und auch das funktionierte.

Wieder zu Hause erzählte mir ein Freund beiläufig, dass er sich den Fuß umgeknickt hatte, dieser stark weh tat und er nicht gehen konnte. So habe ich meine Salbe auf Reise geschickt, damit sie auch bei anderen Wunder vollbringt :-)

Und ich habe mich die Tage darauf auch wieder auf Reise in den Wald begeben, um Harz für meine nächste Salbe zu sammeln, welche seither einen fixen Bestandteil in meiner Hausapotheke einnimmt.

© Andrea