Eisfüße

Mein Großvater F. Maier wurde am Ende des 2. Weltkriegs im Mai 1945 auf einem Bergbauernhof in Goldegg geboren. Er hatte vier ältere Geschwister, mit denen er aufgewachsen ist. Sein Vater kam erst nach dem Krieg aus der Gefangenschaft aus Norddeutschland zurück. Als er am Weg zum Bergbauernhof war, traf er den 7-jährigen Bruder meines Opas. Da er ihn nicht mehr erkannte, fragte er, wer er sei. Der Bruder wusste ebenfalls nicht mehr, dass das sein Vater ist, und erst nachdem er geantwortet hatte, erkannten sie sich wieder. Seine Mutter gab den Deserteuren, welche sich in den Bergwäldern versteckten, immer ein bisschen was vom Essen und schickte sie dann wieder weg.

F. Maier musste 1 Stunde lang in die Schule gehen. In seiner Volksschule waren 2 Räume mit jeweils 4 Schulstufen. Im Winter hatte er für den langen Weg Lederschuhe bekommen. Doch eines Tages brach er beim Überqueren eines Baches ein. Als er dann in der Schule ankam, waren seine Füße an den Lederschuhen angefroren. Er musste sich zum einzigen Ofen in der Schule hinsetzen und warten, bis er wieder aus den Schuhen herauskam. Im Sommer ging er barfuß mit seinem Bruder nach Hause. Am Heimweg hörten sie schon von weitem die Amerikaner mit ihren Panzern. Also setzten sie sich ins Gras und warteten. Als die Amerikaner dann vorbeifuhren, bekamen sie Kaugummi und andere Süßigkeiten.

Wenn mein Opa mit seinen Geschwistern nicht am Hof arbeiten musste, bauten sie mit dem Holz des Vaters kleine Hütten, oder sie gingen zu Manövern und sammelten säckeweise Patronen, welche sie dann heimschleppten.

Im Winter ging er einmal mit seinem Bruder auf die Spitze des Berges. Dann fuhren sie den ganzen Hang wieder hinunter. Es war dann schon so spät, dass sie im Dunkeln heimgehen mussten. Die Eltern haben sich früher nicht so um die Kinder gesorgt.

F.Maier musste einmal mit 9 Jahren bei -15 Grad Celsius den ganzen Tag beim Holziehen helfen. Er bekam deshalb auch schulfrei.

Meistens gingen sie überall zu Fuß hin, doch manchmal benutzten sie ein Pferd mit einem einachsigen Wagerl. Der Vater meines Opas hat eine Seilbahn gebaut, die eigentlich zum Transport von Lebensmitteln war. Doch mein Opa setzte sich trotzdem oft hinein und der Vater zog ihn dann hinauf.

Da Geld früher eine Mangelware war, gab es nur selbstgestrickte Sachen. Manchmal ging aber ein Schneider mit einer Nähmaschine im Rucksack vorbei und verlangte dafür etwas Geld. Doch weil meistens kein Geld vorhanden war, wurde oft getauscht. Manchmal auch Mehl und andere Lebensmittel mit anderen Bauern. Die Eltern haben später Weizen angebaut, damit sie genug Mehl hatten.

Wenn man die frühere Zeit mit der heutigen vergleicht, leben wir im Luxus. Früher mussten sogar noch die Kinder am Hof arbeiten.

© Andreas Maier