Whistleblowing im Callcenter

Vor einiger Zeit hatte ich unter anderem einen Job als Telefoninterviewer in einem Callcenter. Unsere Aufgabe war es Telefoninterviews zu den unterschiedlichsten Themen durch zu führen. Die Arbeit viel mir leicht und machte Freude. Die Themen zu denen die Befragungen durchgeführt wurden waren aktuell und interessant, die Kollegen waren auch alle nett. Es existierte in diesem Callcenter ein gutes Betriebsklima, wo es auch toleriert wurde einmal 5 Minuten länger Pause zu machen. Eines Tages bekamen wir einen neuen Kollegen. Wir stellten uns gegenseitig vor und beantworteten ihm die üblichen FAQ. für alle die hinter dem Mond leben, FAQ steht für Frequently Asked Questions, häufig gestellte Fragen zu einem Themenbereich) zu dem neuen Callcenter Job. Soweit so gut, wie immer telefonierten wir unsere Listen durch, machten Vermerke, wie Interview abgelehnt, Teilnehmer nicht erreicht, etc. am Rand der Telefonliste. Nach einiger Zeit viel mir auf, dass der neue Kollege nahezu ununterbrochen Leute interviewte, was mir als äußerst ungewöhnlich erschien. Denn nicht Jeder oder Jede die angerufen wird, ist einerseits erreichbar oder andererseits bereit an einer Befragung teil zu nehmen. Als leidenschaftlicher Inspector Columbo Seher, sagte ich zu mir, dass muss ich mir jetzt genauer anschauen. Ich stand auf und ging auf die Toilette, vorbei am Telefondesk, des neuen Kollegen mit auffälliger Erfolgsquote, richtete einen schnellen unauffälligen Blick auf sein Telefondisplay, während er das vermeintliche Telfoninterview durchführte und sieh da, das Display welches normalweise die Telefonnummer des Angerufenen anzeigen sollte, war leer. Ich ging weiter zur Toilette, schaute mich fragend in den Spiegel, und kam zu dem Schluss, wenn du schon einen betrügenden Kollegen überführst, dann sollte das Hand und Fuss haben. Deshalb führst du eine zweite Überprüfung etwas später durch. Das nächste Mal täuscht du einen wichtigen eingeganegen Telefonanruf auf deinem Handy, als Vorwand vor, den Raum zu verlassen. Ich ging zurück telefonierte gelassen weiter, cirka 20 Minuten später, richtete ich einen demonstrativen Blick auf mein Handy und verließ schnellen Schrittes den Raum, wieder vorbei am Kollegen, selbe Situation wie beim ersten Mal, keine Telefonnummer am Display des Interview durchführenden Kollegen. Somit war der Kollege aufgeflogen, die Interviews wurden aus der Wertung gezogen und somit ein großer Schaden für den Betrieb abgewendet.

© Andreas Scheck