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„Alter Mann am Arsch“

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„Alter Mann am Arsch“ | story.one

„Alter Mann am Arsch.“ um John Malkovic („R.E.D.“) zu zitieren. So fühl‘ ich mich grad.

Wer ist bloß auf die bescheuerte Idee gekommen, dass ich - ICH!!! UNTRAINIERT!!! - diese MTB-Tour in Angriff nehme und durchziehe?!?? Dass es mein fünf Stunden älteres, übermütiges und übermotiviertes „Ich“ war, das ist mir jetzt grad sowas von egal.

Gefühlt hab‘ ich heut‘ mehr Höhen- als Längenmeter zurückgelegt. Gut 900 waren‘s, himmelwärts (und dann auch noch talwärts, somit quasi 1.800 😉). Gegenüber 35 in der Länge. Ok, das mit der Skalierung habt ihr durchschaut, ich weiß.

Und ich weiß, für Sportler wär‘ das ein kurzes Training, eine Tagesabschlusstour, ein gemütliches Ausrollen. Aber für mich?? Für mich war das kein Training, nein - das war Sterben mit Anlauf. Sehr, sehr langem Anlauf.

Fix und Foxi lieg‘ ich also darnieder und versuch’ erfolglos, mich zu regenerieren. „Reanimieren“ träfe es besser.

Auch so ein Schmäh der Sportwissenschaftler. Das funktioniert nicht, Leute, von wegen Regeneration, Superkompensation und so! Ich werd‘ einfach nicht besser, nicht trainierter, nicht konditionsstärker!

Schön war sie ja, die Tour. Landschaftlich gesehen. Doch die Wahrnehmung dieser Schönheit stieg umgekehrt proportional zur Menge der zurückgelegten Meter.

Zwischendurch bin ich mal eingekehrt und hab‘ meine Flüssigkeitsvorräte aufgefüllt. Passend zum Tag. Stilecht. Mit einem sauren Radler.

Die Tour war nicht nur körper- sondern auch materialermüdend. Auf den Bremsscheiben hätten Spiegeleier voller Freude ihrem finalen Aggregatszustand entgegengebrutzelt.

Ja, die Trägheit der Masse. Wenn die erst in Bewegung ist, da will sie gar nicht mehr aufhören, da muss sie schon mal gebremst werden. Warum funktioniert das nicht auch bergauf so einfach, das mit „Masse in Bewegung bringen“? (Memo an mich: „Nach Wiederbelebung unbedingt die Physik umschreiben. Da geht noch was. Siehe Einstein.“)

Also wurde die Masse gebremst, die Scheiben rasch und radikal auf Spiegelei-Temperatur gebracht.

Nein, nicht „Wer bremst, verliert!“. Denn hätt’ ich NICHT gebremst, dann hätt‘ ich ALLES verloren. Den Grip, die Haftung, die Kontrolle - und auch die Zentripetalkraft an die Zentrifugalkraft. Dann wär‘ aus der Moutainbike-Tour eine Segelflugshow geworden - ohne Segel. (Andererseits: Das wiederum hätte die Bremsen geschont. Ein echtes Dilemma. 🤔)

Weil wir grad bei Segel sind: Auch wenn ich den Wind auf meiner Seite hatte - der Rückseite - , und er versuchte, mich bergwärts zu wehen: Ohne Segel geht da wenig. Da kann ich mich breit machen, wie ich will - und ich HAB‘ mich breit gemacht, glaubt mir. So breit, dass ich einen Förster-Ferrari blockiert hab‘.

So. Genug reanimiert. Jetzt such‘ ich mal mein Alter Ego. Hab‘ ein ernstes Wörtchen mit ihm zu reden. Und danach ist ES am Arsch.

Photo aus dem Film „R.E.D. - Älter. Härter. Besser“

© Andreas Trimmel 2020-07-13

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