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Die verschlüsselte Lieblingstochter

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Die verschlüsselte Lieblingstochter | story.one

Kinder und Jugendliche werden üblicherweise mit einem eigenen Haus- oder Wohnungsschlüssel ausgestattet, wenn bei ihrer erwarteten Heimkehr erwartungsweise niemand zu Hause anzutreffen sein wird. Man will ja den Nachwuchs nicht draußen stehen lassen, schon gar nicht im Regen.

Unlängst, Vater zu Tochter, kurz vor deren Aufbruch zu einer töchterlichen Freizeitaktivität: „Bitte nimm‘ Dir einen Schlüssel mit, ich muss dann auch noch mal weg!“

Sie - diesbezüglich kann man sich auf seinen Nachwuchs verlassen- schnappte sich den bärtigen Gesellen, ließ ihn lässig in ihre längsseitige Jackentasche gleiten und verließ eilenden Fußes das Haus. Die übrigen bunten Vögel waren früher schon ausgeflogen. Und auch der Vater entfernte sich kurz darauf, nachdem er alle Fenster entöffnet und beide nach draußen - und natürlich auch nach drinnen - führenden Türen sorgfältig ge- und verschlossen hatte. Das Haus war leer.

Stunden später, alle waren wieder zu Hause - auch die Tochter hatte sich eingefunden. Nichts Besonderes also.

Gemütliches Abendessen. Friedlich. Nette, ungezwungene Plaudereien. Auch darüber, wie gut es war, dass die Lieblingstochter einen Schlüssel dabei hatte, als sie als Erste zu Hause eintraf.

Diese druckste allerdings etwas herum. Dann das verlegene Geständnis, mit einem zauberhaften Grinsen von Ohr zu Ohr: „Ich hab‘ fünf Minuten lang geläutet und mich schon gewundert, warum mir keiner aufmacht.“😊

© Andreas Trimmel 30.06.2020

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