„Der Schuh....

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„Der Schuh.... | story.one

... am Wegesrand, der keinen Latscher fand“.

Bei einem Spaziergang durch die bezaubernd frühlingshafte Heimatstadt kam mir dieser Schuh unter - genau so, wie er hier abgebildet ist. Auf einem Pflock steckend. Traurig und allein. Und schon rattern die Gedanken los, nutzte die Phantasie ihren Spielraum, nahm die Vorstellung freien Lauf:

Wie kam‘s dazu? Was macht der hier? Wo ist sein Besitzer oder seine Besitzerin? Und überhaupt: Treten Schuhe nicht in der Regel paarweise auf? Warum hat dieser hier sich entzweit?

Vielleicht ist ja Folgendes geschehen:

Ein Mensch, ich vermute mal ungeniert ein Mann, spaziert mit seiner Partnerin durch die Natur. Es taut, der Untergrund ist weich und matschig. Ins Gespräch vertieft bleibt sein linker Fuß im Matsch stecken. Er stutzt kurz, lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe, geschweige denn aus dem Gespräch bringen. Einmal fest angezogen und der Fuß löst sich wieder. Er geht weiter, das komische Gefühl am Bein ignorierend. Auch der Partnerin fällt nichts auf, auch sie spaziert unverändert plaudernd weiter.

Wieder zu Hause angekommen möchte er sich die sicher schmutzig gewordenen Schuhe ausziehen. Er stellt das linke Bein, das Knie abwinkelnd, auf eine Stufe, beugt sich runter, bewegt die Finger Richtung Schuhbänder und .... greift ins Leere. Keine Schuhbänder. Nicht mal ein Schuh. Nur eine dreckige, alte Socke.

Wie der Schuh auf den Holzpflock kam?

Der Finder hat ihn wohl dort platziert. Damit der nur halb besohlte Besitzer ihn sofort bemerkt, wenn er bei seiner Suche an dieser Stelle vorbeilatscht.

Für die fehlenden Schuhbänder fällt mir allerdings beim besten Willen keine Erklärung ein.

© Andreas Trimmel 08.03.2020