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A different kind of Valentine

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A different kind of Valentine | story.one

Sie kam in die Klasse und blickte zu den Jugendlichen hoch. Es war der 14. Februar, Valentinstag. Ein Freitag.

An sich entsprach es ja nicht ihrem Naturell, aber heute konnte sie nicht anders. Heute musste sie es erwähnen, heute musste es mal raus. Und so bedankte sie sich bei den Jugendlichen, dass alle - ausnahmslos ALLE - den Termin eingehalten hatten. So ein wunderbares Geschenk zum Valentinstag habe sie noch nie erhalten. Noch NIE!

Die Jugendlichen stutzten erst, waren leicht überrascht. War das möglich? War das gerade tatsächlich passiert? Wurden sie soeben gelobt? Von ihr? Das war neu. Das war ungewohnt. Das war bisher, in den vielen Jahren an der Schule, noch nie passiert. Zumindest erinnerte sich keiner daran.

Doch die Phase der Überraschung währte nur kurz. Zu sehr überwog die Freude, zu sehr wollten sie dieses Lob annehmen. Und das taten sie dann auch, bedankten sich überschwänglich. Jede(r) auf seine/ihre Art. Herzlich, freudig, gerührt.

Einem der Jugendlichen sah man an, dass ihm was auf der Zunge lag. Er überlegte, rang mit sich. Sollte er? Es wagen? Das rauslassen, was ihm gerade durch den Kopf ging? Noch vor ein, zwei Jahren, ja, da hätte er sich mit Sicherheit nicht überwunden. Aber nun? Ach, was soll‘s! Er war 18, was sollte schon groß passieren.

Er senkte den Kopf, brachte ihn in leichte Schräglage. Sein unwiderstehliches, sommersprossenuntermaltes Grinsen war in seinem Gesicht erschienen, aus seinen verschmitzten, nach unten blickenden Augen sprühte der Schalk.

„Dann hat sich ihr Ehemann wohl bisher keine sonderlich große Mühe gegeben.“

Grins. Großes und breites Grins. Strahlend-weiße-Zähne-zeigendes Grins.

Es wurde still im Klassenzimmer. Mucksmäuschenstill. Jeder hielt den Atem an. Hatte er? Das? Soeben? WIRKLICH gesagt?

Alle Blicke richteten sich auf sie. Alle erwarteten die obligatorische Zurechtweisung, die solchen Situationen unweigerlich folgende verbale Kopfkürzung. Oder zumindest eine der abgeschwächten Formen, ein direktorales Schädeldach-Touchieren oder eine ätzend-scharfe Kopfwäsche, beides in gesteigertem Dezibelbereich.

Sie schluckte kurz, hielt für einen Moment den Atem an. Touché. Und wie!

Was erlaubte sich der. Wie konnte der bloß! Sie setzte zur Standard-Reaktion an. Holte tief Luft. Und hielt dann inne. Sah in die erstarrten Gesichter.

Jemand begann zu lachen. Andere folgten. Schlussendlich konnte auch sie nicht anders. Und stimmte mit ein in das fröhliche Lachen der Jugendlichen. 🙂

Photo by Sharon McCutcheon on Unsplash

© Andreas Trimmel 2020-05-23

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