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#1sommer1buch

Verschwitzt

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Verschwitzt | story.one

Der erste Juli war‘s, als sich die vier Tarock und -innen trafen und einen spielerischen Abend verbrachten. Und eine Mischung aus realem und virtuellem Treffen war‘s, das an diesem Ersten stattfand.

Körperliche Präsenz war natürlich gegeben, what else. Die vier Körper mit all ihrem Anmut und ihrer Grazilität - eher nicht meiner - sowie ihrer Wucht und Imposanz - eher schon meiner - ins Zwischen-Netz zu verfrachten, das wäre wohl niemandem gelungen.

Körperliche Präsenz also gegeben. Doch nicht singulär, nein, nicht alle am selben Ort. Drei zu Eins verteilt. Die Eins, die Vierte im Bunde, war, mangels Realisierung des Beam-Konzeptes, in Ermangelung eines scottischen Transporters, disloziert. (Warum das, was bereits vor über 50 Jahren auf dem Raumschiff Enterprise möglich war, heute in Europa noch immer nicht geschafft wird, ist mir echt ein Rätsel.)

Die Vierte also körperlich andernorts untergebracht. Aber ihr Antlitz, ihre Botschaften herbeigeskyped. Bzw. drei verfinsterte Silhouetten - es dämmerte bereits eindrucksvoll und unbelichtet - und drei Sprachspuren zurückgeskyped. Kein echtes Beamen - mehr ein Streamen, mehr eine Art „Copy/Paste“. Aber immerhin, die Richtung stimmt.

Das Spiel? Lief online ab. Auf so einer flachen, platten Form. Wurde am Tablet serviert. Und auch am Notenbuch. Dort musste allerdings eine Maus mithelfen, während am Tablet kein tierischer Helfer vonnöten war.

Der konsequent kurzweilige Abend verging rasend rasch, das spannende Spiel sorgte für lässige Laune. Ehe er sich‘s versah neigte sich der Abend seinem Ende zu.

Bevor sie den Abend sich selbst überließen, vereinbarten sie den Termin für das nächste spielerische Treffen. In knapp vier Wochen sollte es wieder so weit sein. Dann sollte wieder tarockiert werden, was die Karten hergaben.

Die Tage vergingen, der Sommer wurde älter, die vier gingen ihre gewohnt getrennten und getrennt ihre gewohnten Wege.

Langsam rückte der Tag des nächsten Abends näher. Des nächsten Treffens. Es galt, die geografischen Koordinaten für das Treffen festzulegen, die Location auszuerwählen. Angenehme Kühle sollte sie bieten. Flüssiges in greifbarer Nähe. In rauen Mengen. Vielleicht auch etwas, das die Zähne von ihrer Langeweile befreien konnte.

Location also. Drei waren sich schnell einig.

Der Vierte? Zierte sich. Schwieg.

Nachfrage, direkte Anrede à la „Oida, wos iis?!?!“

Lapidare Antwort: „Hab‘ den Termin verschwitzt.“

Echt jetzt?!?!

Verschwitzt?!?!

Bei DEM Sommer?!?!

© Andreas Trimmel 2020-07-31

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