Die Lieblingstochter

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Die Lieblingstochter | story.one

Meine Tochter ist das, was man ein Sandwichkind nennt - die Mittlere von drei Geschwistern. Zwei Jungs und sie. Ein Bruder etwas älter, einer etwas mehr als etwas jünger - und sie dazwischen. Sandwich halt.

Meist nenne ich sie "Lieblingstochter", worüber wir uns beide immer köstlich amüsieren. Wenn ich Sie so nenne, dann küsst sie mir kokett ein "Ich bin auch Deine EINZIGE." zurück, den Kopf leicht geneigt und ihren Augenaufschlag gekonnt einsetzend. Das ist schon eine Art Ritual zwischen uns.

Die Lieblingstochter ist einfach wunderbar. Ja, schon klar, ich weiß - die eigenen Kids sind ohnehin immer die besten. Und auch die Jungs sind genial. Grenzgenial. Aber dazu ein andermal.

Hier und jetzt geht's um die Lieblingstochter. Und die wird am besten mit "wunderbar" beschrieben. Keine Ausschweifungen, keine weiteren beigemengten Adjektive - schlicht und einfach: wunderbar

Und wunderbar sind auch die Momente mit ihr. Nicht nur die großen, nein. Auch und insbesondere die kleinen, die im täglichen Leben zufällig entstehen - wirklich "im Moment" - und sich dann in Deine Erinnerungen einbrennen um Dich stets an sie zu erinnern und zum Genießen und zum Schmunzeln bringen.

Erst unlängst, da hatte die Lieblingstochter wieder eine ihrer wunderbaren kreativen Phasen.

Location: Das familiäre Wohnzimmer.

Die drei männlichen Familienmitglieder befinden sich bereits im Raum als die Lieblingstochter denselben betritt. Nachdem sie eine Weile schweigend zugesehen hat, meldet sie sich, während eines (tele)visionären Leibesübungskontests, zu Wort.

L: „Ist das ein Staffelrennen?“

Sechs Augen sehen sie überrascht und ungläubig an. Drei Münder stehen offen. Keiner wagt zu sprechen. Schließlich überwindet sich der Jüngste.

J: „Lilli, Du weißt aber schon, dass das Skispringen ist?“ 😊

Oder letzten Herbst. Die Clique der Lieblingstochter - allesamt 14- bis 15-jährige Mädels - beschloss, sich zum gemeinsamen Shoppen zu treffen. Mädels machen das, hab’ ich mir sagen lassen. Nicht nur die jugendlichen, heranwachsenden, nein, angeblich auch die großen, ausgewachsenen.

Nach tagelangem Entscheidungsfindungsprozess - WhatsApp stand kurz vor dem Burn-Out - einigten sich die Pubertierinnen schlussendlich doch noch auf einen Tag. Samstag.

Freudestrahlend erzählte sie mir davon. „Samstag?“ fragte ich. „Kommenden Samstag?“ Die Lieblingstochter nickte verzückt. Ich: „Am Nationalfeiertag?“

Ihr Gesicht erstarrte, fror ein, Augen und Mund weit geöffnet. Und dann brach sie in endloses schallendes Gelächter aus.

So übrigens könnte jede Geschichte über Momente mit der Lieblingstochter enden. ❤️❤️

© Andreas Trimmel