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Papa trinkt Bier

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Papa trinkt Bier | story.one

„Mein Papa trinkt Bier.“

Ein Ausspruch meiner Lieblingstochter, als sie, wenn ich mich richtig erinnere, gerade mal vier Jahre alt war.

Gut, an sich ist nichts Besonderes an diesem Ausspruch. Er trifft ja zu. Viele Väter trinken Bier. Auch manche Mütter tun dies, gelegentlich, hab‘ ich gehört.

Ich kann mich also getrost outen: Ja, es stimmt‚ „Kindermund tut Wahrheit kund.“. Ich trinke bisweilen Bier - und wähne mich damit in bester Gesellschaft.

Und nein: Es ist nicht besorgniserregend, wenn ein Kind in diesem Alter bereits dieses Wort kennt und es auch semantisch richtig einsetzt. Glaubt mir: Die hat in dem Alter auch noch GENÜGEND andere Worte gekannt und verstanden, die Lieblingstochter - und auch verwendet. Besser, sie lernt sie von mir, in der richtigen Bedeutung, als im Kindergarten, dort aber ohne Erklärung.

„Mein Papa trinkt Bier.“ Sprach sie also.

Interessanter schon: Sie hat das meinen Arbeitskollegen gegenüber erwähnt, die ich zu einem netten Grillnachmittag und -abend zu mir nach Hause eingeladen hatte. Führt Small-Talk, die Kleine, pflanzt sich dabei mitten im Garten auf, bekommt fast eine Genickstarre vom Hochstarren und posaunt frisch-fröhlich diesen Spruch raus.

Aber Entwarnung: Nahezu alle hatten eine Flasche Bier in der Hand.

Richtig interessant wurde es allerdings durch zwei wie beiläufig hintenangestellte Worte. Zwei Worte, die - isoliert betrachtet - harmlos sind. Zwei Worte, die jeder von uns tagtäglich benutzt. Aber auch zwei Worte, die im Gesamtkontext fatal waren.

„Mein Papa trinkt Bier, am Morgen.“

DAS ergab Erklärungsbedarf. Von WEGEN, „.. tut Wahrheit kund.“ und so.

© Andreas Trimmel 09.06.2020

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