Prokrastination

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Prokrastination | story.one

Vor einiger Zeit hab‘ ich ein neues Wort entdeckt. Und mich gleich in es verliebt. „Prokrastination“

Echt verführerisch. Das kann richtig süchtig machen. Nicht das Wort - sondern das, was es beschreibt.

„Aufschieberitis“: Meiner aktuellen parentalen Erfahrung nach sehr häufig bei Schülern und Schülerinnen zu finden. Und dort in den intensivsten Ausprägungen, mit den kreativsten Begründungen - vorzugsweise wenn es um Hausübungen, Lernen oder Mithilfe im Haushalt geht.

-) „Mein Füller hat Husten!“

-) „Mein Kuscheltier braucht Akutpflege!“

-) „Die Bleistiftspitze bricht ständig ab.“

-) „Mir ist grad was ins Auge geflogen!“

-) „Wieso ist meine Schultasche versperrt?“

-) „Meine Füße/Hände tun so weh, ich kann mich kaum bewegen!“

-) „Genau diese Seite fehlt in meinem Buch.“

-) „Der Hamster hat das Heft verspeist.“

-) „Ufff, ich muss mich erst erholen. Das Händewaschen war sooo anstrengend!“

-) „Wenn ich das jetzt schon lerne, dann hab‘ ich das bis zur Prüfung wieder vergessen.“

-) „Ich les‘ noch schnell das Kapitel fertig - das is‘ SOOO spannend!“

-) „Zuviel Sauberkeit ist auch ungesund, sagen die Ärzte.“

-) „Ich muss dringend auf‘s Klo!“

-) „Hab‘ Bauchweh im kleinen Zeh!“

-) „Aber ... Dann find‘ ich ja nix mehr, wenn ich jetzt mein Zimmer aufräume!“

-) „Ich kann grad nicht. Der Maulwurf hat sich im Garten verirrt.“

-) „Ich glaub‘, mir wird grad schlecht.“

-) „Hab das Buch in der Schule vergessen.“

-) „Ich muss grad das Schädel-Hirn-Trauma des Goldfisches therapieren. Der is‘ gegen sein Glas gedonnert.“

-) „Ich bin grad so müde. Am besten, ich geh heute früher zu Bett.“

-) „Mann, ich hab‘ solche Kopfschmerzen!“

-) „Ich frag meine Geschwister.“

Und am genialsten find’ ich das subtile, Anti-Prokrastinaton vortäuschende, den Anschein von Erledigungsbereitschaft erweckende „Mach’ ich gleich.“ Auch in den verkürzten Formen „bald!“ und „gleich!“ vorkommend. Oder ergänzt und verstärkt durch das allesbedeutenkönnende, in Wahrheit aber nichtssagende Buchstabenduo „eh“.

Wer sich bei ihm entgegenschallendem „Mach ich eh gleich.“ auf sofortige Erledigung freut, der wird meist bitter enttäuscht.

Blöd nur für Prokrastinationsprobanden: Eltern sind die Großmeister des Prokrastinierens und entlarven ALLES.

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© Andreas Trimmel