Clean Up. Please

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Nie hätte ich mir gedacht einmal als Kabarettistin auf der Bühne zu stehen. In meinen Workshops erzähle ich oft, dass ich "nonverbal" aufgewachsen bin. Da ich schon sehr bald meine Nachmittage im Ballettsaal verbracht habe und der Schulunterricht nicht gerade kommunikationsfördernd war, war es über viele Jahre für mich äußerst schwierig Smalltalk zu führen. Meine Schwester erzählt oft:"Außer über Ballett hätte man damals nichts mit mir sprechen können" Damit hatte sie wahrscheinlich Recht, da der Tanz ja mein Lebensinhalt war.

Meine ältere Schwester war in dieser Hinsicht ein großes Vorbild für mich, denn sie war überaus gesellig und sehr beliebt. Nach und nach wurde ich etwas offener und ich begann Workshops und Vorträge abzuhalten. Aber Kabarett zu machen wäre mir lange nicht in den Sinn gekommen. Bis ich eines Tages zu einem Vorgespräch zu einem Kunden geladen wurde. Ich sollte dort einen Vortrag mit dem Titel "Raus aus den Gewohnheiten" halten. Die Personalchefin meinte zu mir, dass sie sich, wissend, dass ich Creative Director bin, schon einen kreativen Anfang des Vortrages wünsche.

Dieser Herausforderung stellte ich mich. Und so begann ich den Vortrag als Agathe, die Putzfrau. Zu meiner (allergrößten) Überraschung lachten die Anwesenden über meine Scherze!

Das beflügelte mich und ich überredete eine Freundin mit mir an einem Kabarettprogramm zu schreiben. Wir stellten zwei Putzfrauen dar und unser Stück hieß letztendlich: Clean Up.Please - Agathe und Afrodite putzen.

Wir trafen uns regelmäßig, hatten unheimlich viel Spaß - aber das Programm wollte nicht so recht entstehen. Bis uns eines Tages eine Buchungsanfrage ein zeitliches Ziel vorgab. Die Premiere fand in unserem Heimatort statt und die Vorstellung wurde ein voller Erfolg. Die Zuseher lachten 50 Minuten ohne Unterbrechung und wir hatten unseren Spaß auf der Bühne.

Zwei Jahre lang traten wir auf diversen Bühnen auf, hatten sehr viel Spaß miteinander und als aus der Freude "Arbeit" wurde, beendeten wir das Projekt. Wir denken noch heute sehr gerne an diese Zeit zurück.

Diese Zeit zeigte mir, wie sehr es Spaß machen kann über seinen eigenen Schatten zu springen. Einfach etwas zu tun, ohne daran zu denken vielleicht zu scheitern. Mutig zu sein. Leichtigkeit zu leben muss nicht immer heißen, Situationen, die herausfordernd sind zu meiden, sondern sich nicht von der Angst, was andere denken könnten, aufhalten zu lassen. Das Buch des Lebens mit Abenteuer füllen und Neues wagen kann so viel Spaß und Freude bereiten.

https://we.tl/b-wIE340fSSW (ein paar Eindrücke)

© AndreaSelene