Ein Teddybär!

Die Weihnachtszeit war und ist für mich eine ganz besondere Zeit. Ich liebe die Vorfreude, den Duft von Gewürzen und die Stille, die sich in der Natur ausbreitet. Schon als Kind ließ ich mich gerne verzaubern. Am Schönsten war es, als ich noch an das Christkind glaubte. Aber was sag´ ich da: Ich glaube noch immer daran. Vielleicht nicht so wie in den Kinderjahren, aber heute ist das Christkind ein Symbol der Liebe für mich.

Meine Geschichte beginnt, als ich sechs Jahre alt war. Der Heilige Abend. Erwartungsvoll, mit pochendem Herzen wartete ich mit meinen Schwestern, bis das Glöckchen erklang und wir das Zimmer mit dem Christbaum betreten durften. Endlich. Aufgeregt und voller Ehrfurcht betrat ich den Raum. Der Baum funkelte und leuchtete und... unter dem Baum saß er: Ein Teddybär! Ich hatte nur mehr Augen für ihn. Er blickte mich mit seinen großen Knopfaugen an und lächelte mir zu. Den gemeinsamen Liedern und dem Weihnachtsevangelium konnte ich kaum folgen, ich fühlte mich magisch zu diesem Stofftier hingezogen. Und dann hielt ich ihn in meinen Armen. Meinen Freund und Lebensbegleiter Bumsti. Auch meine kleine Schwester Susi bekam einen Teddy.

In der kommenden Zeit wurden die beiden Teddys beste Freunde. Gemeinsam erlebten wir viele Abenteuer. Eine unzertrennliche Viererbande. Für uns waren Bumsti und Stupsi nicht nur Stofftiere sondern lebendige Gefährten, die uns trösteten, wenn wir traurig waren und gemeinsam mit uns lachten, wenn wir etwas ausgeheckt hatten. Stupsi war eindeutig das frechere Kerlchen. Eines Tages bestand er darauf einen Ohrring tragen zu wollen. Er wollte der coolste Bär der Welt sein. Nun diesen Wunsch haben wir ihm natürlich erfüllt. Bumsti machte anfangs Witze über den neuen Look, aber insgeheim bewunderte er Stupsi für seinen Mut.

Wie wundervoll doch diese Zeit war. Ein lieber Freund von mir hat einmal gesagt, dass er fest überzeugt ist, dass Dinge, wenn wir eine starke Beziehung zu ihnen aufbauen, eine Seele bekommen. Ich denke, da ist etwas Wahres daran.

Als meine Schwester erwachsen war und schwer krank wurde, hatte sie einen Stoffhasen mit langen Beinen und Armen. Dieser Hase war es, der ihr in den bittersten einsamen Stunden Halt und ein Stück Geborgenheit schenkte. Als Susi starb, begleitete er sie in die nächste Dimension. Tröstlich zu wissen, dass sie den Weg nicht alleine gehen musste.

Ich bin überzeugt, dass wir Gegenständen BEDEUTUNG geben und diese auch etwas mit uns macht. Freude, Trost, Erinnerung und Schutz - Gefühle, die uns aufbauen, wieder Halt geben, wenn wir es brauchen. Vielleicht sollten wir uns ein wenig von diesem kindlichen Glauben, der Begeisterung und der Fantasie behalten, um diese Welt der Wunder in uns nicht absterben zu lassen.

© AndreaSelene