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Wer bin ich, um zu urteilen?

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Wer bin ich, um zu urteilen? | story.one

Es ist nie die Situation, die dich in das Dunkle der Verzweiflung zieht, sondern, wie du darüber denkst. Das durfte ich in den Tagen des Todes meiner Schwester und meiner Mutter, in der Zeit meiner Panik Attacken und anderen dunklen Tagen meines Lebens lernen.

Die letzten Tage habe ich mich oft gewundert, ja ich gebe es zu: ich habe mich geärgert über Menschen, die diese Situation verharmlosen und mit Verschwörungstheorien Unsicherheit verbreiten. Man soll doch Menschen über 80 nicht behandeln, sondern in Frieden Zuhause sterben lassen, postete eine Freundin, die ich sehr schätze.

In meinem Ärger und Traurigkeit fiel mir ein Zitat von Jesus ein: "Verzeih Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Das ließ mich innerlich wieder ruhig werden. Denn wer bin ich, um zu urteilen? Weiß ich immer, was ich tue?

Und so bin ich wieder in mir angekommen.

Ich bin dankbar. Wie gesegnet ich bin. Nein, es geht nicht um Rücklagen, die nicht allzu groß sind oder um den 100 prozentigen Umsatzrückgang. Es geht darum, wie gut es mir trotz allem geht. Ich habe in diesen Tagen ein paar Entscheidungen getroffen. Ich werde nur mehr regional einkaufen. Ich werde Gewand umnähen und kreativ anders gestalten, um nicht Neues zu kaufen. Ich werde weiterhin das Wohl aller in den Mittelpunkt meines Denkens stellen. Freue mich, dass ich Freunden Mut machen darf.

Ich bin dankbar, dass mein Vater mit 84 Jahren eine garantierte Behandlung im Notfall bekommt. Ich bin dankbar, für die vielen Menschen, die mit ihrer Rücksicht dafür sorgen. Ich bin dankbar, dass ich mich vor dem Virus gut schützen kann. Ich bin sehr dankbar für die einzigartige Gelegenheit, trotz dieser wirtschaftlichen Situation unsere Mitarbeiter nicht kündigen zu müssen. Ich bin dankbar für das entschlossene Handeln unserer Regierung und dankbar für die mahnenden Stimmen der Opposition. Ich bin dankbar für kritische Stimmen und dankbar für jene, die uns ermahnen, statt zu jammern auf die Missstände der Welt (Umwelt, Kriege, Chemie in der Nahrung, Tierfabriken, Pestizide am Feld, Neid gegenüber den Ärmsten) zu schauen. Ich bin dankbar für meine Familie, die in Liebe zusammenhält - füreinander da ist. Ich bin dankbar, dass wir einander bedingungslos lieben.

Ich bin dankbar für die Entschleunigung, die ich mir so gewünscht hatte. Ich bin dankbar für das Neue, dass jetzt enstehen darf. In mir und im Außen.

WAS WILL ICH JETZT ALS SAMEN FÜR DIE ZUKUNFT SÄEN? LIEBE, LIEBE, LIEBE.

© AndreaSelene 05.04.2020

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