2 oder 3 Kinder

„Wieviele Kinder willst du mal haben?“ „Hm, 2 oder 3. Ich weiß nicht genau.“

Jahre später. Meine Tage blieben aus, ich wurde nervös, unruhig, der Blutdruck stieg, ein Schwangerschaftstest musste her. Der Test – positiv. Mein Mann freute sich riesig. Ich fing an zu weinen.

Das musste erst mal verdaut werden. Gut dass wir Urlaub hatten und gemeinsam Zeit für viele Gespräche hatten. Es war meine erste Schwangerschaft. Ich rief beim Frauenarzt an um einen Termin auszumachen. Der sollte in ca. 3 Wochen folgen. Puh, so lang dauert das? Na dann – eben durchhalten.

Der Urlaub verlief seltsam, wir hatten uns sehr drauf gefreut, das Wetter ließ uns komplett hängen, es regnete richtig viel, richtig oft, die Wanderwege waren nicht benutzbar, die Gegend unwirtlich nach tagelangem Regen, das Schlechtwetterprogramm irgendwann erschöpft und das gebuchte Zimmer sehr schön aber zu klein. Es war seltsam. Mir war irgendwie komisch zumute. Nicht freudig, nicht leidig, nicht schlecht, nicht gut, nicht Fisch, nicht Fleisch. Am Anfang ist das halt eine enorme Umstellung wenn man schwanger wird, dacht ich mir. Und redete sich mein Mann ein, der gleichzeitig hoffte, dass das irgendwann anders wird.

Der Termin bei der Gyn kam. Wir gingen gemeinsam hin, waren aufgeregt, ich freute mich schon und wollte wissen wie jetzt alles weitergeht, was als nächstes kommt. „Ja, Sie sind schwanger, aber es hat sich in der Fruchthülle nichts mehr weiterentwickelt.“ Ich verstand nur Bahnhof; mein Mann wusste sofort was sie meinte. Ich war wie in Trance. „Wie, was heißt das? Wie geht’s jetzt weiter?“ Es dauerte bis ich realisierte, dass ein kleiner Mensch in mir entstanden war der nur sehr kurz geblieben war. Im Auto folgten Tränen, viele Tränen. Die nächsten Tage wurden abgespult. Im Büro feierte eine Kollegin Abschied in den Mutterschutz. 2 Stunden später fuhr ich allein ins Krankenhaus um eine Abtreibungspille verabreicht zu bekommen. Ich hielt es emotional nicht aus, darauf zu warten bis mein Körper sich von selbst verabschieden konnte. Auch dort viele Tränen und der nicht sehr hilfreiche, wenn auch gut gemeinte Satz einer Ambulanz-Schwester „Sie sind ja noch jung, sie können noch viele Kinder kriegen“.

Die Blutungen danach waren heftig, die Tränen auch. Der Trauerprozess ebenso. Aber auch heilsam. Monate später verstand ich, dass mein Gefühl echt war, von Anfang an. Und dass dieser Prozess schlichtweg unser gemeinsamer Weg ist.

Heute kann ich sagen, ich hab 2 oder 3 Kinder. So wie ich es als Kind schon „wusste“.

© AndTher