Ein großes Kompliment an unsere Leben

  • 261
Ein großes Kompliment an unsere Leben | story.one

Seit dem Tod meiner Mama bin ich mit meinem Papa sehr eng zusammengewachsen. Wir haben eine starke Verbindung die für uns sehr besonders ist.

Meine Zwillinge kamen knapp 5 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt, es war soweit alles in Ordnung, dennoch mussten wir aufgrund des geringeren Geburtsgewichtes auf der Neonatologie bleiben. Mein Papa, selber ein Zwilling, hatte eine riesen Freude über die Geburt unserer Kinder. Er war mit einem Mal Opa von Enkel Nr. 2 + 3 geworden und erwartete Enkel Nr. 4 in einigen Monaten. In der Zeit hat er mich mehrmals auch alleine im Krankenhaus besucht, saß bei mir, hörte sich meine Geschichten, Sorgen, Ängste an.

Die Wochen vergingen, die Kinder wuchsen und nahmen zu, wir trauten uns nach einigen Wochen zum Familientreffen in größerer Runde mit Tanten und Onkeln. Alles fein, alle freuten sich, auch die Zwillingsschwester meines Papas war da, nochmal Zwillinge in der Familie, wie schön das doch ist – rundherum nur Freude. Dachte ich.

Nach dem Essen dann der Aufprall auf dem Boden der Realität. Mein Papa beginnt zu sprechen: „Es ist großartig wie es uns grad geht, die Kinder sind wohlauf, gedeihen, man könnte eigentlich glücklich sein. Und dann schlägt das Leben wieder zu.“ Mir rutscht das Herz in die Hose. Ich krieg Tränen. Fasse nach der Hand meines Mannes und schau ihn verzweifelt an. Papa spricht weiter, „es gibt jetzt noch genau 2 Leute die es nicht wissen und ich wollte sicher sein, dass ihr die Nachricht gut aufnehmen könnt“. Dabei schaut er seine Zwillingsschwester und mich an. Ich halte es beinah nicht mehr aus. „Ich hab Krebs. Die Prostata.“ Ich heul nur mehr los. Mein Mann nimmt mich in den Arm, detto mein Onkel seine Frau. Ich will nur wissen, was das jetzt heißt und wie es weiter geht. Papa erzählt ruhig und gefasst, er wird in 2 Wochen operiert, es schaut alles gut aus, er hat einen super Arzt, der Eingriff läuft sehr schmerz-minimiert ab, es wird alles gut. Trotzdem hab ich Angst. Große Angst. Auch meine Mama hatte Krebs. Da hofften wir auch, dass alles gut wird.

Durch viele Gespräche und Informationen bestärkt mich mein Papa, dass alles gut wird; meine große Angst schwindet. Die OP verläuft gut, der Tumor konnte restlos entfernt werden; jetzt ist wirklich alles gut.

Später erzählt mir mein Papa, der Anästhesist hätte ihn beim Aufklärungsgespräch gefragt, ob er sich denn fürchte vor der OP. Mein Papa verneinte, ja, er würde wirklich noch gern sehr viel länger leben und bei uns sein. Aber wenn er jetzt gehen müsste, er wüsste – mein Bruder und ich, wir sind großartige Erwachsene geworden, haben jeder eine super Familie, tolle Partner; wir sind gut aufgehoben. Und das ist ihm das Wichtigste.

Danke Papa für dieses große Kompliment voller Liebe an unsere Leben.

© AndTher 07.08.2019