brennstoff

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brennstoff | story.one

Heute früh war er wieder im Briefkasten, der brennstoff. Grüße aus dem Kraftplatz Waldviertel! Die Gestalt Heini Staudingers mit seinem unbändigen grauen Wuschelkopf steht mir vor Augen – er und sein Team sind die Urheber dieser besten Werbezeitung, die es gibt. „Aktuell ist nur das Bleibende“ so der Untertitel und während ich durch den Garten zurück ins Haus spaziere, freue ich mich auf brennstoff für die Seele.

Ich weiß nicht genau, wie Heini und friends das machen, aber die 30 Seiten sind immer prall gefüllt mit feinen Texten und Zitaten, die Lust auf das gute Leben machen. Staudinger zeichnet seine Editorials mit „Das meint im Ernst – Euer Heini“. Und ich spüre, dass er es so meint, obwohl und weil es mit ihm immer lebenslustig ist. Er ist genüsslich rebellisch und freigeistig. Seine Widerständigkeit hat nichts Destruktives. Sein Feuer brennt für das Leben und ich kenne keinen Pfarrer, der ihm rhetorisch das Wasser reichen kann, wenn es um die eingemachten Dinge des Lebens geht. Immer tiefgründig und nie theoretisch, setzt er auch um, wovon er spricht und ist im besten Sinn des Wortes Unternehmer.

Neben Heinis Vorwort heute das Zitat: „Jene, die ihre Sehnsucht zu zügeln wissen, können das nur, weil ihre Sehnsucht zu schwach ist (William Blake) - eine treffende Beschreibung des Mannes.

Zwei Seiten weiter ein Zitat von Friedrich Hölderlin:

„Das Schönste ist auch das Heiligste“

Was für ein Satz!

Wer Pflanzen und ihre magische Schönheit liebt, spürt das.

Ich denke an den Kosmos mit seinen spiralförmigen Galaxien und hunderten Milliarden Sternen. Die Welt ist nicht nur bis in den hintersten Winkel genial konzipiert, sie ist auch hoch ästhetisch und Ehrfurcht gebietend.

Roland Gnaiger, der Autor des Artikels auf der nächsten Seite meint: „Auf Dauer ist das Nützliche nicht ohne das Schöne zu haben“. Er ist Architekt und meint in seinem Text über Land und Landwirtschaft, dass diese Aussage nichts mit weltentrückter Romantik zu tun hat, sondern „mit einer das Leben sichernden Nachhaltigkeit, somit mit Vernunft und Realismus...“

Schönheit ist für unsere Ingenieure derzeit kaum ein Kriterium. Die Natur ist zwar als Vorlage für so manche technische Lösung durchaus ein Thema. Was der Mensch bisher so nachgebaut hat, lässt aber an Eleganz und Schönheit oft zu wünschen übrig!

Dann ein Text von Hilde Domin, einer deutschen Schriftstellerin, mit dem Titel „Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten“. Ich habe von dieser Dichterin noch nie gehört, aber ihr Text ist bereichernd. Er handelt vom dreifachen Mut, den es braucht, um zu schreiben. „Erstens: Der Mut zum Sagen, der der Mut ist, er selbst zu sein, der Mut zur eigenen Identität. Zweitens: Der Mut zum Benennen, der der Mut ist, die Erfahrung wahrhaftig zu benennen, ihr Zeuge zu sein: das heißt, nichts weg- oder umzulügen… Drittens: ..an die Anrufbarkeit der Anderen zu glauben."

Gute Tips für StoryOne Autor/Innen. Wenn das keine lohnende Lektüre ist!

© Angelika Guldt 29.08.2019