Drei Schlamm-Monster im Hammam.

  • 101
Drei Schlamm-Monster im Hammam. | story.one

Als wir am dritten Tag durch die Souks von Marrakesch laufen, fühlen wir uns bereits wie Profis. Geschäftstüchtig sind sie schon, die Händler. Statt echten Gewürzpyramiden entdecken wir bemalte Zementskulpuren, die ein perfektes, buntes Fotomotiv abgeben und so Touristen anlocken.

Wir nehmen es mit Humor und lassen uns heute nicht in einen Laden locken. Nein, unser Ziel ist ein anderes: Les Bains de Marrakech. Unser erstes Hammam mit Massage wartet auf uns in einer winzig kleinen Sackgasse der Medina.

Wir werden freundlich begrüßt und von den Damen in getrennte Umkleiden gebracht. Dunkler Marmor ziert den Boden, vergoldete Armaturen verleihen den Duschen majestätischen Glanz und Schnitzereien an den schwarzen Kästchen erinnern an 1001 Nacht. Im kuscheligen Frotteebademantel gehe ich in den Relax-Bereich, wo meine beiden Männer schon bei Keksen und "Berberwodka", wie der typische Minztee auch liebevoll genannt wird, auf mich warten.

Es dauert nicht lange und wir werden, wieder von Frauen, in den Hammam-Bereich geführt. Die arabische Therme ist genauso dunkel und verwinkelt wie die Straßen in den Souks da draußen, die vorwiegend von Männern beherrscht sind. Hier drinnen fühle ich mich als Frau zum ersten Mal nicht als "Außerirdische", im Gegenteil, hier sind wir definitiv in der Überzahl!

Wir legen die Bademäntel ab und auch mein Bikinioberteil muss am Kleiderhaken bleiben.

In dem circa 9m2 großen Dampfbad aus hellem Marmor warten links und rechts beheizte Steinliegen mit wasserfesten Auflagen. Zwei Wäscherinnen in schwarzen Leggings betreten den Raum, lächeln uns an und legen los: Sie ölen uns ein vom Scheitel bis zur Sohle. Das ist die erste Stufe des Hammams, so öffnen sich die Poren der Haut. So liegen wir zu dritt wie die Ölsardinen und duften nach Argan.

Meine anfängliche Aufregung legt sich und tiefe Entspannung macht sich breit. Es ist warm und dampfig, wie in einem Garkocher. Ich schließe die Augen, genieße das Öl auf meiner Haut und lausche den blubbernden Geräuschen in der Kammer. Kurz darauf öffnet sich erneut die Türe für den zweiten Schritt unserer Behandlung: Wir bekommen die pure Arganpaste auf Arme, Beine, Rücken, Bauch und Gesicht geschmiert und sehen gleich darauf wie drei Schlammmonster in Badehosen aus. Die Paste ist dunkelbraun und klebrig und enthält wertvolle Nährstoffe, die der Haut Feuchtigkeit und Spannkraft geben.

Im dritten Schritt wird unsere Haut mit speziellen Handschuhen geschrubbt. Die Paste löst kleine, abgestorbene Hautzellen, die kreisenden Bewegungen der etwas kratzigen Lappen fördern die Durchblutung. Ich fühle mich sauber und wie neu geboren. Revitalisiert und müde zugleich. Nach der finalen Waschung dürfen wir uns einer traditionellen Massage hingeben. Ich inhaliere den Duft der Kräuter, die unter dem Massagebett in einem Tontopf ihre Aromen freigeben und sinke ins Land der 1001 Nächte.

Und ich würde am liebsten noch 1000 mehr hier verbringen.

© Animalingua 05.04.2020