Erasmus durch Erasmus

Da liegt er in seinen Armen, wenige Minuten jung und noch ohne Namen. Die Geburt hat er verpasst, die Namensgebung ist noch offen. Die Hebamme gibt uns alle Zeit in dieser Nacht im abgedunkelten Kreißsaal und wir gehen unsere Namensliste durch. Welchen Vornamen geben wir unserem Sohn, der durch ein europäisches Netzwerk entstanden ist? Der Vater hat über das Erasmus Programm 2001 in Norwegen studiert, ich war 2006 in Estland als Studentin. Er ist Österreicher, ich Deutsche und wir kennen uns über ihn: Robert, mein bester Freund aus meiner Jugend in Mecklenburg. Robert lebte in der Studenten-WG in Norwegen mit ihm zusammen und nahm ihn als Besuch mit als ich in Tallinn war. Aber in seinen Arm liegt kein Robert mit weißer Haube. Es liegt auch kein kleiner Paul oder ein Hippster namens Karl bei ihm. Unser Sohn beobachtet uns, schaut neugierig und atmet ruhig und entspannt. Es ist faszinierend und spannend auf welche Reise uns dieser kleine Mensch mitnehmen wird. Und genau diese Magie macht auch das Erasmusprogramm aus. Bei ihm sind seit dem bereits 16 Jahre vergangen, bei mir 13 Jahre und doch begleiten uns die Freunde im Alltag via WhatsApp und im Urlaub real.

Es ist Erasmus, der dort in seinen Armen liegt. Ein Europäer.

#europelove

© Anja Bröcker