"Nur" Wald und meilenweit nichts

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"Nur" Wald und meilenweit nichts | story.one

Im Sommer 2019 beschloss meine Familie, mal keinen Strandurlaub zu machen, sondern ein Wohnmobil zu mieten und nach Südschweden zu fahren.

Wir waren schon einige Tage unterwegs, als wir einen verlassenen Badeplatz ansteuerten. Verlassen deshalb, weil wir schnell merkten, dass wir nicht jeden Tag einen großen Campingplatz brauchten. Nur um ab und zu das Abwasser auszuleeren, frisches Wasser nachzufüllen und am Strom anzuschließen. In Ruhe am Parkplatz war es viel schöner, als mit lärmenden Kindern auf einem riesigen, vollgestopften Campingplatz! Nur eine schmale Schotterstraße führte zum Badeplatz Lora badet (>man hört irgendwie heraus, dass es ein Badeplatz ist). Der See, zu dem man über einen schmalen Pfad gelangt, war wunderschön. Langsam wurde es dunkel und wir machten uns Abendessen. Es hatte etwas Unheimliches, etwas Magisches, so still war es hier. Keine Autos, keine Straßenlaternen, einfach nichts! Ich lag hinten direkt unterm Dachfenster, was praktisch war, weil man dort prima die Sterne sehen konnte.

Am nächsten Morgen beschlossen mein zwölf Jahre älterer Bruder Christoph und ich, eine Radtour zu machen. Wir fuhren die Schotterstraße entlang weiter. Anfangs war es etwas hügelig und beim Bergabfahren blies mir die kalte Luft des Nordens entgegen. Immer tiefer fuhren wir in den Wald hinein. Die Vögel zwitscherten laut in dieser unberührten Gegend. Hier war meilenweit nichts. Irgendwann kamen wir an einem kleinen Bauernhof vorbei. Er war gelb und hatte den typisch schwedischen Baustil. Wovon die Menschen hier wohl lebten? Von großen Ernteerträgen eher nicht. So weit man blicken konnte war hier nur Wald, keine Felder. Wir machten ein Foto. So ein Hof mitten in der Pampa war ja etwas Besonderes! Der Wald war wunderschön. Überall Moose und alles so grün! Wir fuhren noch lange weiter und machten uns fast eine Challenge daraus, wie weit man fahren konnte, ohne dass man auf ein Haus stößt. Der Wald war mit großen Felsen versehen und auf meine Bitte blieben wir bei einem besonders Steilem stehen. Ich kletterte hinauf. Es war nicht leicht, weil die Moose alles so rutschig machten, aber als ich oben ankam, war ich ziemlich stolz. Christoph kam dann auch herauf und wir sahen uns die Landschaft an. "Nur" Wald. Wunderschön.

Irgendwann kamen wir zu einer verlockenden Abzweigung, die noch tiefer ins Dickicht führte. Wir fuhren hinein, am Ende war es aber doch nur eine Sackgasse, die wahrscheinlich als Umkehrplatz diente. Das Gras hatte hier schon lange keiner mehr gemäht und rundherum schlängelte sich ein Bachbett. Es war kein Wasser drin, was uns wunderte, weil hier alles so feucht war. Doch weil wir schon bei einem Umkehrplatz waren, kehrten wir um, um nicht ganz zu spät zum Frühstück zu erscheinen.

© Anna Holzinger