(Nicht) schon wieder Weltfrauentag

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(Nicht) schon wieder Weltfrauentag | story.one

Das gibt’s ja nicht! Jetzt ist schon wieder Frauentag. Jedes Jahr das gleiche. Und ich habe mir ernsthaft überlegt, mir das Wort zum Tag zu ersparen.

Im EU-Vergleich zählt Österreich zu den Ländern mit den größten Lohnunterschieden. Das Dilemma: In Summe führen die niedrigeren Erwerbseinkommen und Versicherungsverläufe, auch zu niedrigeren Pensionen und anderen sozialen Risiken.

Kinderbetreuung und Teilzeit ist in Österreich Frauensache. 75 % aller Frauen in Beschäftigung mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten in Teilzeit. Wirklich freiwillig? Ja? Es gibt übrigens auch Männer, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen. Aber allermeistens nicht, um ihre Kinder zu betreuen.

Während sich die Frauen also um den Nachwuchs kümmern, machen die Männer heimlich Karriere. Pst, aber nicht weitersagen!

Frauen verdienen in der heimischen Privatwirtschaft weiterhin deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. (lt. aktuell veröffentlichter Studie der Statistik Austria). Pro Stunde erhalten weibliche Beschäftigte um 21,7 % weniger.

Aber geh bitte, das ist doch nur weil die alle nur Teilzeit arbeiten. Achso…

Im Alter klafft die finanzielle Lücke noch weiter auseinander. Da Frauen im Schnitt niedrigere Einkommen haben und ihre Versicherungsverläufe vor allem durch Kinderbetreuung unterbrochen sind, liegen auch ihre Pensionen weit unter jenen der Männer - durchschnittlich um 50 % weniger.

Das Land Niederösterreich rühmt sich hingegen mit flächendeckender Kinderbetreuung schon ab 2,5 Jahren. Na pfau, und man kann seinen Bedarf gleich zwei (!) Mal pro Jahr ändern. Das geht nur leider an der Realität im Berufsleben, mit der heute von Arbeitgebern geforderten Flexibilität der Arbeitnehmer, meilenweit vorbei.

Ich starte in Kürze mit (oder trotz?) zwei wunderbaren Kindern in einen neuen Vollzeit Job. Mittlerweile fürchte ich mich tatsächlich davor. Denn ich habe den Überblick verloren, wie oft ich gefragt wurde, wie ich das wohl schaffen werde?! Mit zwei Kindern.. Das macht mir Angst, irgendwie. Ich habe meinen Mann gefragt, wie oft ihm eigentlich diese Frage gestellt wurde? Schweigen...

Die aktuelle Frauenministerin mag den Begriff "Feminismus" übrigens gar nicht. Sie meinte in einem Interview, der spalte die Frauen mehr als er verbinde. Na dann.

Also wozu brauchen wir diesen lächerlichen Frauentag? Sicher nicht, um Frauen mit 20 % Rabatt Gutscheinen für Unterwäsche oder Faltencremes zu beglücken. Sondern weil unsere Debatten über Frauenpolitik in der Steinzeit ansetzen - immer noch. Das macht mich traurig.

Elfriede Hammerl schrieb anlässlich des Frauentages 2019:

"Und immer, immer wieder der alte Unsinn: Frauen sollen wählen dürfen, ob sie zu Hause bleiben wollen. Dürfen sie doch eh. Darf jeder Mensch. Niemand muss sich für Erwerbsarbeit entscheiden. Aber wer regelmäßig was zu fressen will (sorry, eleganter geht es nicht), tut es in der Regel."

Meine nächste Story wird wieder lustiger, versprochen.

© Anna Merta 09.03.2020