Kulturschock

„Gibt es denn dort in Afrika überhaupt Duschen?” „Bist Du jetzt eh nicht ansteckend mit irgendetwas, wenn Du grad von dort kommst?”

Irgendwann hab ich aufgehört zu erzählen, dass ich in Afrika war.

In Uganda war ich 7 Jahre lang, also im „tiefsten Schwarzafrika”, wie man mir dann sehr oft sagt. Wenn man bei uns von Afrika erzählt, geht Südafrika ja noch. Es ist für die meisten noch irgendwie nachvollziehbar, dass eine Österreicherin mit Magisterstudium ohne Entwicklungshilfe-Background dorthin auf Urlaub fährt. Gerade gehen würde auch noch, dass sie dort halt dann ein bissl jobbt. Aber in Uganda leben? Damit können nicht sehr viele etwas anfangen. Das konnte ich ehrlich gesagt auch nicht, als ich damals diesen unwiderstehlich tollen Australier mit Job in Uganda kennengelernt hatte, der mich auf Safari nach Kampala einlud. Ich musste zuerst mal im Atlas nachsehen, wo das überhaupt liegt. Bei meiner ersten Reise holte ich mir beim Kofferpacken Inspiration von Madonna: Cargohosen, lange Ärmel und Hüte und Kappen, um meine blond gefärbten Haare zu verdecken. Was wusste ich schon von Afrika? Ich kannte auch nur dieses eine Bild, diese eine Geschichte, die bei uns immer wieder erzählt wird: Von traumhaft-schönen Landschaften, wilden Tieren, Krieg, Krankheiten und Hungersnöten und vielen, vielen Menschen, die in unglaublicher Armut in Strohhütten leben.

Meine erste Überraschung erlebte ich schon im Flugzeug, als ich neben zwei fröhlichen Damen aus Uganda platziert wurde: Voll bepackt mit Einkaufstaschen aus der Dubai Mall, top gestylt und geschminkt, stießen sie mit Sekt auf ihre Shopping-Tour an.„Darling, you are in for a big surprise... and what is this, you dressing like you are going to sleep in the bush!", erklärten sie mir vergnügt und klimperten mit ihren Designer-Ohrringen und perfekt manikürten Fingernägeln. Sie waren genau der richtige Vorgeschmack auf das Afrika, das mich dann erwartete: Eine 2-Millionen Stadt, mit Hochhäusern, Luxus-Hotels und 6-spurigen Hauptstraßen. Mit Werbeanzeigen für Bier – so groß wie ein Haus – mit Einkaufszentren, Nachtclubs und Bürogebäuden mit glitzernden Fassaden. Mit einer Hauptuniversität mit 30.000 Studenten und einer Law School, die in ganz Afrika einen exzellenten Ruf genießt. Kampala, die größte Stadt Ugandas, ist eine urbane, internationale Metropole, in der die unterschiedlichsten Ethnien und Religionen zusammenleben. Sie ist übrigens nur die 36. größte Stadt in Afrika laut Wikipedia. Luanda in Angola hat 7.5 Millionen Einwohner und liegt auf dem 4. Platz. Die Städte Kano in Nigeria mit 4,3 Millionen Einwohnern oder Antananarivo in Madgaskar mit 2,5 Millionen wird wohl auch kaum jemand bei uns kennen. Natürlich gibt es in Afrika unvorstellbare Armut und natürlich steht der Kontinent vor großen Herausforderungen. Aber es gibt so viele Geschichten aus Afrika, die wir nicht kennen. Zeit, dass sie auch bei uns erzählt werden.

© Anne-Liese