Das weggesperrte Lieblingsspielzeug

Unter dem langen Endanflug Wien-Schwechat Piste 11, eine Meile vor dem Outer Marker und dem Simmeringer Verschubbahnhof aufgewachsen gab es nur zwei Möglichkeiten, entweder wurde die Eisenbahn oder das Flugzeug zum Lieblingsspielzeug, Lokomotivführer oder Flugkapitän zum Traumberuf. Mich infiszierte zuerst die Douglas DC 3 Dakota, dann die Vickers Viscount mehr als die Lokomotiven und auch der höllische Lärm der ersten Caravelle 1960 konnte mich nur kurz beängstigen. Das Flugzeug wurde zum Lieblingsspielzeug, der Traumberuf fraß sich in´s Herz. Reinhard Mey schrieb seine Hymne auf die Freiheit über den Wolken erst 14 Jahre später. Zuerst eine herrliche Zeit des Träumens, dann des Pläneschmiedens und endlich 12 Jahre nach dem Firmungsrundflug mit der DC 3 unter Cpt. Jo Kaufmann von Schwechat als Passagier an Bord, endlich selbst am Steuer einer Cessna 150 neben dem Fluglehrer über Aspern. Herrliche Jahre der Freiheit, der Selbstverwirklichung, der Persönlichkeitsbildung, des im wahrsten Sinne höherziehenden Lebensgefühles und des Wiedersehens mit Jo Kaufmann als Fluglehrer, der permanenten Weiterbildung rund um das liebgewonnene Spielzeug Flugzeug. Kinderzimmer wurden Aspern und Schwechat, Spielgefährten wurden gewonnen, Freundschaften entstanden, wunderbare und unvergessliche "barrierefreie" Erlebnisse wurden möglich. Bewunderung aber auch Neid wurde uns wegen unserem wunderbaren Spielzeug Flugzeug und unserem angeblich elitären Spielplatz entgegengebracht bis uns dann zur Jahrtausendwende unser Spielzeug weggesperrt und das Kinderzimmer für verantwortungsbewusste und freiheitsliebende erwachsen Gewordene der Flughafen hinter Stacheldraht gelegt wurde und eine fragwürdige Wächtertruppe, auch geheimnisvoller Herkunft, den Zugang zum Spielzeug sehr verkomplizierte und die Freude an der, mittlerweile verlorenen Freiheit verdarb. Wir alle die wir uns unter viel Zukunftserwartungen und Aufgeschlossenheit gegenüber dem Neuen, dem Fortschritt uns nun seit 20 Jahren unter immer härter zum Ausdruck gebrachten Generalverdacht Attentäter, Terroristen und Selbstmörder zu sein, wieder fanden. Kein Arbeitnehmer der Welt wird mehrmals täglich am Weg zu seinem Arbeitsplatz oder zu seinem Spielzeug penibel gefilzt, behindert und belästigt ausser den Menschen, die sich meist selbst unter viel Entbehrung eine sündteure Ausbildung finanziert haben um dann erkennen zu müssen, dass sich der Kindertraum zum bösen seit 20 Jahren andauernden Albtraum entwickelt hat. Keiner von uns, der sich nicht für die Eisenbahn entschieden hat, hätte gedacht, dass wir die wir so viel Enthusiasmus für unsere Freizeit und den Beruf entwickelt haben als so gefährlich eingestuft werden um am Weg zum Arbeitsplatz oder zum Spielzeug als potentielle Straftäter beamtshandelt werden

Ich bin einer der Letzten der die Freiheit Reinhard Mey´s noch erleben durfte.

Glück ab, gut Land

© Anton_von_Simmering