Die erste Liebe

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Die erste Liebe | story.one

Mann sagt, dass die erste Liebe einer Frau oder eines Mannes nie vergessen werden kann. Ob es wahr ist, kann ich nicht bezeugen. Fakt ist, meine erste liebe werde ich nie vergessen. Ich spüre ihn immer noch sobald ich das Meer sehe, wenn der Wind meine Haare bläst und ich dieses Gefühl nach Freiheit für ein paar Sekunden spüren kann, wenn die Sardenier in Italien miteinander reden und ich mich wieder wie zu Hause fühle, dann sehe ich ihn. Wir waren so jung damals.

25 Jahre ist es her. Zu der Zeit war ich 15, noch zu Jung um am Schicksal zu glauben. In Italien wie jedes Jahr verbrachte ich den Urlaub mit meinen Eltern, diesmal aber in Sardinien. Schon damals liebte ich das Meer, der warme Sand um meine Füße, der Geruch nach gebratenen Fisch aus der Küche meiner Mutter und das Gefühl total zu relaxen. Plötzlich traf ich eine Gruppe Jugendlichen, die mit dem Motorrad zum Strand gekommen waren. Eine Weile beobachtete ich sie, sie waren etwas älter als ich. Da ich kaum Italienisch konnte sah ich aus der ferne ihnen zu. Mein Blick traf sich mit einem, dessen Augen mich wie ein Magnet anzogen und er kam zu mir. So lernte ich ihn kennen. Unter den Argusaugen meiner Mutter fand Er Gnade und so unternahmen wir gemeinsam mit seiner Schwester in Gruppen Aktivitäten. Mal ins Kino, mal gemeinsam ins Restaurant, mal zum Kiosk um Eis zu essen, aber am liebsten am Meer wo wir stundenlang planschen und Volleiball spielten. Zum Abschied versprach ich zu schreiben.

So vergingen die Jahren, wir schrieben uns ununterbrochen, besprachen unsere Zukunft und lernten uns besser kennen. Wir planten sobald ich Volljährig war zusammen zu leben, bis dahin war ich mit ihm verlobt. Ein Versprechen das in einem katholischen Land wie in Italien nicht gebrochen wird. Unsere Wartezeit verbrachten wir mit telefonieren, unsere Familien zu besuchen und uns vorzustellen wie wir leben würden.

Da war ich 17. Mir fehlte nicht mehr lange für die Abschlusssprüfung, ein Tag wie jeder andere. Auf dem Weg nach Hause treffe ich meine Mutter mit Kalkweißen Gesicht, sie hatte ein Anruf aus Italien bekommen. Ein Unfall, Er war sofort tot, begraben mit seinem Motorrad unter ein LKW. Da brach mir das Herz und ich weinte Stundenlang, gab mir die Schuld an seinen Tod warum auch immer, aß kaum und schlief nicht mehr. Mein Wunsch war nur noch mit ihm zu gehen.

Tage später kam ich zur Besinnung und traf eine Entscheidung, die mein Leben veränderte. Alles bei mir zu Hause erinnerte mich an ihm und entschied, die Ausbildung bald zu beenden und von zu Hause zu gehen. Ich brauchte eine andere Umgebung um zu vergessen, möglich dass ich mich veränderte oder das ich nicht mehr dieselbe war wie zuvor. Nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zog ich aus und lebte mein Leben weiter.

Jahre später besuchte ich Italien, lies die Erinnerungen auf mich zufließen, es war so schön wie damals. Dieser sengende Schmerz im Herzen ist verschwunden, nur noch die schönen Erinnerungen sind da. Ich werde ihn wieder sehen aber noch nicht heute.

© Ari