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Wir spielten dann danach

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Wir spielten dann danach | story.one

Wenn zwei Bands aus unterschiedlichen Städten sich gegenseitig einladen und zwei Abende mit diesem Line-up veranstalten (in der jeweils sinnvolleren Auftrittsreihenfolge) nennt man das Gig-Sharing. Dieser feinen Idee verdankten wir, dass uns Alicia Edelweiss im Jänner 2016 nach Wien einlud, ins b72. Für The Vine Alley war das immerhin auch der erste Auftritt in der Bundeshauptstadt.

Das b72, für die, die es nicht kennen, ist ein dezent undergroundiges Lokal unter den Bahnhofsbögen am Hernalser Gürtel. Optisch vielleicht a bisserl a Tschumsn. Mainstreammusik war hier nicht zu erwarten. Insofern hat die Alicia natürlich alles richtig gemacht. Auch das Personal vor Ort war so wie man es von derlei Auftrittsorten erwartet, gemütlich. Eilig wollte es hier niemand haben. Und das hat uns ja auch gepasst, weil wir noch sehr damit beschäftigt waren, alle unsere Kontakte in Wien durchzutelefonieren, dass wir heute Abend einen Gig hier spielten. So viele Kontakte waren das eh nicht. Deswegen mussten wir diese umso hartnäckiger anschreiben, anrufen und motivieren.

Die Alicia hat natürlich gewusst, dass unsere Band in Wien kein gnadenloser Publikumsmagnet war. Geplant war, dass wir starten und dann ihre Show (inklusive Gitarrenmörder in Mönchskutte und Selbstgeißelung mit Gummihuhn) stattfinden solle. Damit aber auch noch genügend Publikum das b72 ansehnlich ausfülle (man darf die Größe dort nicht unterschätzen), meinte sie, dass sie noch den David anrufen könnte. Der wäre dann als erste Vorband, noch vor uns, der Anheizer des Abends. Ja, wer auch immer, stimmten wir zu, solange der viele Leute bringt.

Das Konzert sollte nicht vor 21uhr starten, aber der Soundcheck war natürlich so um 15uhr herum gewesen. Also gab es einen Haufen Zeit zu vertreiben, bis es los ging. Glücklicherweise bietet Wien gerade in dieser Gegend um das b72 viel Spannendes. Auf meine persönlichen Einladungen zum Gig hatten bisher noch nicht viele reagiert.

Aber es wurde Abend und das b72 füllte sich, zu unserer Überraschung, recht ordentlich. Es sollte sogar noch bummvoll werden. Alicia meinte, dass sie ihrem Freund David jetzt sagen würde, dass er beginnen könne. Also stellte ich mich mit meinen Bandkollegen von The Vine Alley ins Publikum. Und dann betrat ein junger Mann in unserem Alter, aber mit Blümchenhemd, Vokuhila und blondem Schnauzer, die Bühne und sang zur Begleitung seiner Gitarre vom Boxer Hansi Orsolics, von irgendwelchen Wiener Tschocherln und den Tranklern und Tachinierern, die dort vegetieren.

Ich hab den Voodoo Jürgens danach noch mehrere Male getroffen und spielen gesehen, aber bei diesem ersten Auftritt in Wien wirkten seine Lieder am schönsten auf mich. Es war eine goldrichtige Idee gewesen ihn als erster auftreten zu lassen. Das, hauptsächlich lokale, Publikum war begeistert und blieb, dankenswerter Weise, auch noch während und nach unserem Gig.

© Armin Sauseng 12.05.2020

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