Oft sieht man sich zweimal - zum Glück!

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Oft sieht man sich zweimal - zum Glück! | story.one

Wir waren mit dem Rad auf dem Weg in die Westfjorde Islands - mit unserer damals 7 jährigen Tochter - 2 robuste Fahrräder, 1 Gepäcksanhänger und ein "Nachläufer", ein angedocktes Einrad, wo es einem freisteht, mitzutreten.... Nach der Abzweigung von der Hauptroute fanden wir einen wunderbaren "Campingplatz", bedeutet in Island: Große Wiese, Wasseranschluss,Klohütte - sonst nichts. Wunderbar! Wir waren die einzigen, genossen das nicht enden wollende Tageslicht.

Spät abends bekamen wir allerdings überraschend Besuch- zwei Radreisende parkten ein, stellten ihr Zelt unmittelbar neben uns auf, begannen zu kochen. Wir wechselten ein paar Worte, dann verkrochen wir uns müde in unser Zelt. Eigentlich wunderte ich mich, dass die beiden in so unmittelbarer Nähe zu uns nächtigen wollten, wo doch eine riesengroße Wiese zur Verfügung stand?

Am nächsten Morgen kamen wir ein bisschen ins Gespräch - das Pärchen kam aus Bayern, beide Sonderschullehrer, etwa so alt wie wir, wollten auch nach Norden, waren aber natürlich viel schneller unterwegs. Eigentlich sehr nettes Frühstücksgeplauder - dann trennten sich unsere Wege.

Wir mussten wetterbedingt unsere Route in den nächsten Tagen mehrfach ändern, kamen jedoch wohlbehalten, glücklich und erholt rechtzeitig vor unserem Rückflug in Keflavik an, übernachteten in einer nahen Unterkunft, wo wir doch tatsächlich die zwei bayrischen Radreisenden wiedertrafen. Wir freuten uns, sie erzählten von ihren Erlebnissen, erkundigten sich nach unserem Reiseverlauf. Sie hätten uns in einer Biwakschachtel im Hüttenbuch eine Nachricht hinterlassen-leider sind wir dort aber nicht mehr vorbei gekommen. Die Wartezeit auf unseren Nachtflug verging fast zu schnell.

In den letzten Jahren hatten wir uns abgewöhnt, Namen, e-mailadressen oder Telefonnummern auszutauschen, meist war der Kontakt ja doch mit der Heimreise beendet. Diesmal tat es uns aber sehr leid - wir hatten das Gefühl, sehr interessante Menschen, vielleicht sogar Seelenverwandte getroffen zu haben, die wir nun nicht mehr erreichen konnten. Wir suchten im Internet mit Vornamen, Schulen, bayrischer Heimatgemeinde - nichts, gar nichts! Wir gaben auf, sprachen aber immer wieder von den beiden.

Im Sommer 2011 brachen wir noch einmal auf, um die Westfjorde zu durchwandern. Wie immer waren wir nach dem Einchecken auf dem Münchner Flughafen froh, alles rechtzeitig geschafft zu haben, wollten auf ein Abschiedsweißbier gehen. Mein Mann stieß mich an - schau, wer da drüben Räder einpackt - ja, tatsächlich, "unsere Bayern"! Auch sie entdeckten uns, wir umarmten einander, freuten uns riesig! Offensichtlich hatten auch sie uns nicht vergessen! Diesmal tauschten wir unsere Kontaktdaten aus, versprachen ein Wiedersehen. Seither treffen wir uns regelmäßig, dürfen die beiden zu unseren besten Freunden zählen.

Die Biwakschachtel im Norden Islands haben wir Jahre später besucht und sogar die Nachricht der Freunde gefunden!

© AugustaWitzany 21.07.2019