Erinnerungen an Aleppo

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Erinnerungen an Aleppo | story.one

Glücklicherweise hat sie einen Job als Abwäscherin in einem Mittelklassehotel gefunden- Wintersportregion, Saisongeschäft, Überstunden, wenig Schlaf, noch weniger Freizeit...und starke Kreuzschmerzen, schon seit ein paar Tagen. Fast unerträglich.

Sie versucht sich abzulenken, träumt von Aleppo- sie liebte die Arbeit in dem kleinen, lichtdurchfluteten Café im Stadtzentrum, die Gespräche mit den Stammkunden, das Beobachten fremder Besucher - dort hatte sie nie Kreuzschmerzen.

Dort war sie aber auch glücklich. Nie hätte sie sich damals vorstellen können, ihre geliebte Stadt, ihre Familie und Freunde, ihr Café zu verlassen.

In der Zimmerstunde sucht sie ihren Hausarzt auf, bittet um eine Schmerztherapie. Er untersucht sie, möchte sie krank schreiben. Unmöglich, das würde der Chef nicht akzeptieren. Sie hat Angst, aber auch sehr Weh.

Ihrem Hausarzt tut es leid, ihr nicht mehr, als mit Schmerzinfusion, einem Rezept und dem Angebot, wiederzukommen, helfen zu können.

Die Abendschicht ist lang, viel Geschirr, wenig Zeit- aber zum Glück - noch nicht sobald enden wollende- Erinnerungen an Aleppo...

© AugustaWitzany 26.05.2019