Esta es mi casa

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Esta es mi casa | story.one

Ich hatte gerade meine Basisausbildung abgeschlossen und war entsprechend gut drauf, voller Ideen und Pläne. Euphorisch brach ich mit einer Freundin nach Guatemala auf.

Wir landeten in Antigua, in einer günstigen aber gemütlichen Jugendherberge . Auf dem schwarzen Brett wurden Spanischkurse, Folkloreabende aber auch Wanderungen auf den nahen, aktiven Vulkan Pacaya angeboten- aus Sicherheitsgründen wurden Touren nur mit bewaffnetem Begleitschutz empfohlen, da es immer wieder zu Überfällen auf Touristen gekommen sei.

Das schreckte uns zwar primär ab, die Möglichkeit, einen aktiven Vulkan aus nächster Nähe zu sehen, wollten wir uns aber auch nicht entgehen lassen und fanden uns schon am nächsten Tag mit einer bunt zusammengewürfelten Touristengruppe in einem Kleinbus wieder.

Am Fuße des Berges trafen wir unseren Guide Emilio, einen kleinen, drahtigen jungen Mann mit offenem Blick und freundlichem Zug um den Mund. Er hieß uns ganz herzlich willkommen zur Tour auf "seinen" Vulkan. Emilio liebte seinen Berg, sprach aber mit größtem Respekt über ihn. Er ging uns voraus, achtete jedoch sehr umsichtig auf das richtige Tempo, damit niemand überfordert war oder verloren ging.

Auf unserem Weg nach oben kamen wir mit den anderen ins Gespräch- mit dem britischen Pärchen, das sich eine Wohnung in London kaufen möchte, mit Garage natürlich, auch für den Zweitwagen; mit dem lustigen Schweizer, der von seiner Oma soviel geerbt hat, dass er jetzt sorgenfrei die Welt bereisen kann; mit der Australierin, die zu Hause eine große Firma mit über sechzig Angestellten leitet; und dem etwas blassen deutschen Studenten, der sich vor der Reise im Outdoorgeschäft nebenan komplett neu ausstatten ließ und hierfür wahrscheinlich ein kleines Vermögen abgelegt hat. Dafür war er aber auch für extremste Wetterbedingungen, Raubtierangriffe sowie alle Arten von Verirrungen und Orientierungslosigkeiten gerüstet.

Wir hatten viel Spaß, erklommen den Vorgipfel des Berges und durften ein unglaubliches Naturschauspiel aus Feuer, Rauch und Asche - fast zum Greifen nahe - erleben... Eine Stunde und gefühlt tausende Fotos mit großen Teleobjektiven später, brachen wir wieder auf, die Hitze des Vulkans eingebrannt in unsere Haut.

Bei unserem Abstieg blieb Emilio plötzlich am Rande eines kleinen Dorfes stehen, deutete auf eine winzige, windschiefe Bretterhütte mit Lehmboden und wahrscheinlich undichtem Dach, davor 2 spielende Kinder, die ein paar Hühner jagten und sagte voll Stolz : „Esta es mi casa!“ ( Das ist mein Haus ! )

Die hübsche Frau vor vor dem Eingang lächelte uns an, winkte, bot uns Wasser und Brot an, umarmte Emilio.

Betroffen, ja beschämt, stiegen wir schweigend ins Tal ab.

© AugustaWitzany 26.05.2019