Familie bleibt anstrengend

Warum ist Familie so anstrengend? Wenn ich mit meiner Familie zu tun habe, frage ich mich immer, wer hat mich erzogen? Woher habe ich meine Manieren und mein Benehmen? Echt! Meine Eltern sind mittlerweile alt und gebrechlich. Wir gehen ihnen regelmäßig zur Hand. Heute haben wir den Schafstall ausgemistet und nach getaner Arbeit fragt mein Vater meinen Mann: „Rudi magst a Bier?“ Mich fragt er nicht, als ob ich nicht gearbeitet hätte und nicht da wäre. Mehr als ein Bier gibt es sowieso nie als Honorar. Das ist schon das Höchste was man von den Eltern erwarten kann. Ich bin auf die Philosophin Barbara Bleisch gestoßen. Sie hat das Thema angesprochen, dass man seinen Eltern nichts schuldet, dass es als Kind keine Schuld abzutragen gibt. Denn das Eltern-Kind-Verhältnis ist ein unfreiwilliges Verhältnis. Kinder können sich die Eltern nicht aussuchen, Eltern schon eher, die wollen vielleicht ein Kind, aber das spezifische Kind, das da kommt, konnten sie sich nicht wählen, das ist eine WUNDERTÜTE, die da kommt. Auch für die Eltern ist es nicht freiwillig, sie haben sich für ein Kind entschieden, aber nicht genau für dieses Kind. Sagt Barbara Bleisch und für diese Sätze, bin ich ihr sehr dankbar.

Und da bin ich schon mittendrin im Thema, es gab einen Kinderwunsch, aber dieses Kind, das mich mit ihrer Klugscheißerei, ihrer Wichtigtuerei, ihren belanglosen Krankheiten, ihren ewigen Beschwerden, ihren Kränkungen, Unverschämtheiten und ihrer Lebensuntüchtigkeit quält, dieses Kind, hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich so nicht gewählt. Bleisch wirft auch die Frage auf, ob die biologische Abstammung heute überhaupt noch relevant ist?

Mittlerweile ist für mich auch noch klar geworden, dass Erziehung überhaupt keinen Wert darstellt. Kinder werden und wachsen. Es ist lediglich notwendig, sie zu umsorgen, für sie da zu sein, ein Vertrauensverhältnis herzustellen und gut für sie zu sorgen. Alles andere können sie sich bei anderen abschauen und lernen. Sie lernen, das was für ihre Entwicklung notwendig ist und das was für ihre Aufgabenstellung in ihrem Leben relevant ist.

Mich nervt diese ganze Familiengeschichte und die ständige Auseinandersetzung damit. Ich wäre so glücklich, wenn ich endlich meine Eltern nicht ständig mitdenken müsste. Wenn endlich Ruhe wäre. Dieser Geiz, dieses nicht loslassen können, den Kindern nichts zutrauen, obwohl sie selbst gar nichts mehr können. Diese Angst, dass man ihnen was wegnehmen könnte, dieses Misstrauen, dieses Schweigen, dieses ewige auf der Lauer liegen, dass wir ihnen was Schlechtes wollen. Dabei war es mir schon immer zu blöd, irgendjemand anderen etwas Schlechtes zu wollen und jemanden etwas anzutun. Natürlich gibt es die Phantasie die einem lustige und amüsante Gedanken durch den Kopf treibt und man in Folge ganze Rachefeldzüge plant. In der Realität, würde ich niemals, jemanden etwas Böses wollen und wünschen. Ich bin ein sehr wertschätzender Mensch, ich behandle jeden mit Respekt.

© avadiva