Muttertage & Geburtstage

Gestern hatte ich Geburtstag. Ich hatte frei und war den ganzen Tag allein zu Hause. Es gab Anrufe von den Kindern, SMS Nachrichten von Bekannten, WhatsApp Mitteilungen von Freunden, usw.. Es meldeten sich Menschen aus der Vergangenheit mit denen ich schon lange keinen Kontakt mehr habe, Kolleginnen, von denen ich nicht wusste, dass sie das Datum meines Geburtstags kannten, meine Eltern, meine Schwiegermutter, eine alte Tante. Alle mit den gleichen langweiligen Floskeln, alle mit Standardsätzen. Keine Aussage dahinter und kein ernstzunehmender Wunsch. Da meine Geburtstage und die Muttertage fast immer zusammen fallen, war ich in den letzten 10 Jahren nie da. Ich war mit meinem Mann auf Reisen. Wir fuhren im Mai für mehrere Wochen mit unserem alten Volvo durch Europa. Ein Wunsch von mir, damit ich mich diesem Muttertags- und Geburtstagsgetue nicht aussetzen musste. Als meine Kinder noch Klein waren, war dies mein Muttertagswunsch. Ich wollte an diesem Tag meine Ruhe haben. Wollte, dass mich niemand stört. Später, als sie Jugendliche waren, waren sie froh darüber, dass ich keinen Wert darauf legte, diesen Tag zu feiern. Das Reisen brachte auch den Vorteil, dass ich mich nicht mit meiner Mutter und mit meiner Schwiegermutter treffen und sie huldigen musste. Gefordert wurde immer Dankbarkeit.

Überhaupt ist mir dieser Kult um die Mutter ein großes Rätsel. Wieviel schreckliches widerfährt Kindern unter dem Deckmantel der Mütterlichkeit? Ich bin immer wieder überrascht, was Mütter ihren Kindern zumuten und was sie sich herausnehmen. Sind es nicht die Mütter, welche die größten Traumata im Leben von Kindern verursachen? Ich nehme mich da nicht aus. Oft genug war ich als Alleinerzieherin überfordert und hatte viel zu oft viel zu hohe Ansprüche an meine Kinder.

Ich denke, dass die sogenannten „guten Mütter“, sehr gute Vorarbeit leisten. Sie ebnen den Kindern den Weg, damit sie als Erwachsene, eine ewige Sehnsucht nach Anerkennung spüren um dann ihre Bedürftigkeit im übertriebenen Konsumverhalten, in der Anpassung, im Leistungswahn auszuleben und im Hamsterrad nach Liebe gieren.

© avadiva