Verhaftung

Die Verhaftung

Das ist eine wahre Geschichte. Die Eigennamen wurden jedoch verändert.

Also die Geschichte beginnt im trüben Dezember 1983, the lost 80´s, politisch war in Österreich rot-blau an der Macht, Harald Ofner von der FPÖ war Justizminister.

Und ich komm am 18.12.83 nach einem beschwerlichen Arbeitstag als Hufschmiedgehilfe, zermürbt, hungrig und mit strengem Pferdegeruch heim in mein Elternhaus.

Ich freute mich irrsinnig auf das Essen, Erbsensuppe mit Teigeinlagen und Mamas berühmte Marillenknödel gab´s, und ich kann mich nur deshalb so gut an zwei meiner damaligen Lieblingsspeisen erinnern, weil ich letztendlich trotz Riesenhungers keinen Bissen davon kriegen sollte und einige sehr zähe Hungertage bevorstanden.

Nun gut, ich betrete die Veranda und Mama kommt mir entgegen. „Du Axl, do warn zwa Herrn do, von der Kripo, de hättn nur a paar Fragen. Wos isn jetzt wieda los?“

„I waaß net, wohrscheinlich geht´s um a oide G´schicht.“ antwortete ich und ich hatte wirklich keine Ahnung worum es nun konkret ging.

„ Sie kommen in a paar Stunden wieder hom´s g´sogt. Nur um a Auskunft, des dauert net lang. „

„Aha.“

„Na schau ma mal“ denk ich mir und setz mich an den Tisch vor die dampfende Erbsensuppe.

Ich war wirklich verdammt hungrig und gerade als ich den Löffel in die Suppe tauchte, klopft es an der Tür, die Tür geht auf und zwei Figuren, einer, ein dicklicher, rotgesichtiger, schnapsnasiger ca. 40-jähriger im Trenchcoat und der andere ein um einen halben Kopf kürzeres und sicher 15 Jahre jüngeres Zniachtl (wienerisch für kleines und mageres Individuum) unrasiert und etwas langhaarig , in abgewetzter Rocker Lederjacke, treten in den Vorraum.

Dieses Gespann machte einen ziemlich surrealen Eindruck auf mich, vermutlich wegen der Unterzuckerung, da ich- wie schon erwähnt -sehr hungrig war.

„Guten Abend, Pflegerl mein Name, mir san vou da Kripou Eisnstoudt und du bist da Fraunz Axolotl, net wor, Spitznaum Tschane, heast mia hättn nur a poar Frougn, des kenn ma owa nur aum Poustn klärn“ sagt der dicke Rotgesichtige im beigen Trenchcoat.

„Waunn?“ frag ich gereizt „Jetzt iß i grod.“

„Naujou, aum bestn glei hiatz. Mia bringan di eh glei z´ruck, i oana Stund bist wieda dahaam.“

Pflegerl ergreift meinen rechten Arm und lächelt mich an. „Mia san glei fertig“

„Nau gemma, auf gehts, essn kaunst späda ah nau!“ schaltet sich das langhaarige Lederjacken Zniachtl mit näselnder Stimme ein und versucht sich auf meiner linken Seite bedrohlich aufzubauen.

Jetzt begann ich die beiden ernster zu nehmen, auch Trunkenbolde und Witzfiguren können sehr gefährlich werden, sofern sie über gewisse Macht verfügen. Die Geschichte und das tägliche Leben liefern uns zahlreiche Beispiele.

Jedenfalls folgte ich dann, um meiner Mama weitere Aufregung zu ersparen, brav und ohne weiteren Widerstand, was ein großer Fehler war, denn etliche Tage später noch, hungrig in einer zwölf Mann Zelle im Wiener Landesgericht träumte ich von den Marillenknödel...

© axolotl