Reise nach Pischeldorf, als die Erde bebte

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Reise nach Pischeldorf, als die Erde bebte | story.one

Der Philosoph A. litt im Mai 2019 an depressiven Schüben.

Deshalb beschloss er wieder mal auf Reisen zu gehen, und da er eh schon die ganze Welt kannte, fliegen hasste und wenig Zeit hatte, fiel die Wahl auf Pischelsdorf.

Samstag, 5:00 h früh fuhr er mit der Schnellbahn los, war um 5:30 in Himberg und nahm den Rest der Anreise, zwecks Gesundheit, zu Fuß in Angriff. Es war ein schöner Tag, A. schritt stolz und mutig voran, dem rießigen und roten Sonnenball entgegen. Vom Horizont im Osten, an den Hängen des Leithagebirges, dehnte sich das rote Morgenlicht, aus schon bis an die Glasfassade der Wiener Wolkenkratzer, die man tief tief im Westen aufblitzen sehen konnte.

Gegen zehn erreichte er Pischelsdorf und ging frühstücken ins Wirtshaus, zum Zaus.

Der Zaus ist so ein typischer Dorfwirt, mit Stammtisch , großen Aschenbechern auf den Tischen, Erdnussautomaten und Glasvitrine mit diversem Naschzeug.

Als A. die Stube betrat war es gerade laut geworden. Am Stammtisch,links vom Eingang saßen fünf Männer, der Bauer und Gemeinderat Schmalzl war lautstark am Wort, Bierkrug in der Hand:

„Geh red kan Bledsinn, Mucki, mit da Rendi kennts eich brausn geh, glaubst du a echta Hackler wöht de Rotn no, san jo ah lauter G´fraster, de brauchn se gor net so aufregn wegnan Strache, de san genau soiche linke Hund. Do kaunn ma jo nur no in Kurz wöhn.“

„Pass amoi auf, Schmäuz, da Strache hot nix vabrochn, augsoffn wor a hoit, meiner Söh, do hobts es Schwoaze mehr Dreck aum Steckn.“ Ing. Fredl Blunatsch der FPÖ Gemeinderat ergriff sichtlich erregt das Wort.

„Jo, genau Blune!“ Plautz Ferdl, der Gemeindearbeiter und Quartalstrunkenbold stieß dem Blunatsch mit dem Ellenbogen leicht in die Rippen und das Bier schwappte über Gesicht, Sakko und Hose des Angestupsten.

„Bist deppat, Ferdl, scho wieda bunzndicht in da Fruah, du Trottl!“ schreit zornig der Ingenieur.

„Jetzt hom sa se wieda aug´schitt, de Blaun, wia der Strachl, der Pülcher, i hau mi oh, ha, ha!“ stichelte jetzt im näselnden Falsett der Pischek Mucki, der „Gfeanste Muck“ wie er auch genannt wurde, roter Gemeinderat und frühpensionierter Ex- Angestellter bei den Wiener Stadtwerken.

Der Wirt, der Schmäuz und einige andere begannen laut zu lachen.

„Gusch, Mucki, I prack da glei ahne!“ der betrunkene Plautz Ferdl versuchte aufzustehen, fiel aber nach hinten und ergriff im Panik Reflex den Ingenieur Blunatsch am Sakko und riss ihn mitsamt Stuhl mit sich auf den Wirtshausboden.

Es kam aber dann doch zu keiner Schlägerei und alle Beteiligten setzten den Diskurs mit drei gemeinsamen Runden Obstler fort.

Auf der Schank lag an jenem Samstag die Kronenzeitung, auf dem Titelbild der Vizekanzler Strache auf Ibiza, fast

wie der Dude im Big Lebowski, stoned herumlümmelnd im abgefuckten T-shirt.

Die Erde bebte an jenem Tag, von den Redaktionstuben weltweit bis in die Wirtshausstuben der Provinz, und der Privatphilosoph A. war froh und glücklich in einem schönen Land zu leben , das keine anderen Probleme hatte.

© axolotl