Als ich mein erstes Internet-Date hatte.

Damals wohnte ich schon seit fast einem Jahr noch mit meinem Ex-Freund zusammen. Keiner wollte ausziehen – ich nicht weil ich einen Hund hatte und davon ausging dass ich nie wieder eine so schöne Erdgeschoss-Wohnung mit Garten finden würde. Er nicht weil er es heimelig fand dass ich abends ab und zu - für ihn mit - kochte und er Gesellschaft hatte.

Was mir mit der Zeit fehlte war eindeutig die erotische Komponente in meinem Leben. Ein Erotik-Forum war sicher genau das Richtige für mich. Ich suchte mangels Erfahrung und mangels Empfehlungen ein beliebiges aus, lud ein anziehendes, halb ausgezogenes Bild von mir hoch, auf dem man mich nicht erkennen konnte – macht man so wurde mir gesagt. Zuschriften kamen gleich in größerer Anzahl. Also konnte ich wählerisch sein, das freute mich. Ich schrieb also Roland an. Roland war etwas jünger als ich, und stand auf High Heels wie sein Profil mir verriet.

Unser erstes Date war in einer Kneipe am Mariahilfplatz. Ich ging zu Fuß mit meinen Flachlatschen bis in die Nähe, um dann noch eine Ecke vor der Kneipe in die High Heels zu schlüpfen. Wer weiß, vielleicht gefiel er mir ja und dann sollte es daran nicht scheitern.

Wir hatten einen netten Abend in der Kneipe und verabredeten uns für ein paar Tage später auf einen Kaffee bei mir zuhause.

Wahrscheinlich war ich ein wenig blauäugig ob der Idee dieses „Kaffeetrinkens“.

Kurze freundliche Begrüßung mit Küßchen hier und da. Kaum waren wir im Wohnzimmer, öffnete er seine Jeans. Wir schauten da zusammen rein. Er erwartungsvoll (das wäre wahrscheinlich meine Rolle gewesen), ich vorsichtig. Wer weiß was da rauskommen würde. Check – ich hatte alles gesehen was frau im Halbdunkel erkennen konnte – was halt ein Mann so in seiner Unterhose hat. Er schloss seine Hose enttäuscht wieder. Was wurde hier von mir erwartet? Anerkennendes Nicken? Begeisterung? Stöhnen? Spontane Handgreiflichkeiten?

Unser Treffen an diesem Tag nahm weiterhin keinen aufregenden Verlauf mehr.

Wir haben uns allerdings später zu weit aufregenderen Abenden getroffen, über die ich hier, da nicht jugendfrei, Schweigen bewahre.

© Barbara Kohmanns