Café Griensteidl

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Café Griensteidl | story.one

Das Café Griensteidl besuchte ich öfters auf meinen Spaziergängen und Fototouren durch Wien. Es lag direkt am Michaelerplatz bei der Hofburg. Am Vormittag, so zwischen zehn und elf machte ich dort im Café Pause. Um den Blick nach draußen geniessen zu können, suchte ich mir einen Platz beim Fenster. Ich bestellte für mich Cappuccino und Schokoladentorte.

Meist nutzte ich die Zeit bei Kaffee und Kuchen, um mir die weitere Route zu überlegen, welchen Weg, welches historische Gebäude wollte ich als nächstes erkunden? Manchmal schaute ich mir die Fotos auf meiner Kamera Stück für Stück an und erfreute mich an gelungenen Schnappschüssen. Im Griensteidl fand ich es herrlich fein, die Atmosphäre war gemütlich, das angeregte Geplauder an den Nebentischen störte mich nicht.

Am liebsten beobachtete ich die Touristen, die am Café vorbei flanierten, Fiaker näherten sich im Trab, um dann in gemächlichen Schritt zu fallen und ihre Kutschen - mit den Gästen aus aller Herren Länder - anzuhalten. Meist standen beim Griensteidl mehr als zehn Kutschen bereit. Es war ein Herfahren und Wegfahren. Mich faszinierte vor allem der Umgang der Fiaker mit ihren Pferden. Ich fühlte mich von den Tieren, wie so oft, magisch angezogen. Vor dem Heimweg besuchte ich immer einen dieser Fiakerkutscher, der ein gutes Händchen für seine Tiere bewiesen hatte. Ich hatte mich übrigens selbst ein wenig über die Haltung von den Wiener Fiakerpferden schlau gemacht. Ich plauderte und streichelte einem der Pferde sanft über die Mähne. Die beiden Lippizaner pusteten sich gegenseitig an und kraulen sich mit Ihrem Maul und Zähnen am Widerrist. Die übrigen Kutscher versorgten die Pferde mit frischem Wasser, Schatten gab es zu der Zeit nicht. Es war sommerlich warm, aber nicht heiss. Manchmal wurden die Pferde wegen der Hitze freigestellt.

Das Wiener Café Griensteidl, das zuerst ein Künstlerlokal war, wurde leider bald nach meinen erfreulichen Besuchen nur noch kurzzeitig unter dem neuen Namen Café Klimt geführt, jetzt ist dort ein Lebensmittelgeschäft eingezogen.

Ich konnte einmal bei Regenwetter zufällig ein fantastisches Foto machen, weil ich in der Stadt zu tun hatte. Das Café spiegelte sich im Nass, ich zeigte es in Schwarz-Weiss. Noch heute ist es eines meiner Favoriten. Interessanterweise habe ich seit damals noch kein „Ersatzcafé“ gefunden. Vielleicht habt ihr Tipps für mich?

© Barbara Prinz