Einmal Herzschlag hoch 3

  • 122
Einmal Herzschlag hoch 3 | story.one

Endlich war es soweit: Ich startete den Motor unseres Kleinwagens und überlegte, ob ich alles eingepackt hatte. Mein Kurzausflug sollte 2 Tage dauern. Mein Herz klopfte. Ich lobte mich für meinen Mut. „Ade Wien, meine Lieblingsstadt, hinaus auf das Land!“, dieser Ausflug sollte meine Energietanks füllen: Natur und Freiheit spüren. Erholen. Für alle Fälle hatte ich vorsorglich für 4 Tage Gewand mitgenommen, sogar mein Bettzeug. Schließlich wollte ich meine Freundin besuchen, mit ihr Zeit verbringen, keinesfalls aber Arbeit machen. So war ich nun mal.

Knapp bei der Garagenausfahrt tippte ich die Adresse, die mir meine Freundin M. genannt hatte, in mein Navigationsgerät. Nichts. Keine Reaktion, es klappte nicht. Nur, ohne Navi würde ich die Strecke nicht finden. Mir kam die Idee, das Gerät kurz aus-und einzuschalten. Datenübertragung: in 1 Stunde und 36 Minuten würde ich am Ziel eintreffen. Großartig! Mir gehörte die Welt. Mein Herzschlag schraubte sich gemäß Motorlärm höher. Musik an, Scheinwerfer an, und mein Lächeln erhellte mein Gesicht. So fühlte sich Vorfreude an. Yeah! Nichts wie hinaus, von der “lebhaften“ Stadt in die Stille am Land.

Das Wetter steigerte meine Laune mit dem Herzschlag zum Quadrat. Die Sonne strahlte mit mir um die Wette. Die Musiksender ließen zwar zu wünschen übrig, aber es störte mich nicht. Und weil die Fenster oben waren, hörte auch niemand meine falschen Töne: „...when we all get the power, we all give the best, every minute of an hour, don't think about a rest, then you all get the power...“. Ich sah staunend aus dem Fenster. All die Bäume an der Autobahn erstrahlten im farbigen Herbstkleid. “Oooch, könnte ich jetzt stehen bleiben und fotografieren!“, war mein spontaner Gedanke.

Einige Minuten später kam ich zum „Steinhäusl“. Mit einem Schlag war die sonnige Stimmung weg. „Huch, was ist da los?“ Vor Schreck ging ich vom Gas. Es war als hätte es mich in eine andere Welt gekippt: Von der Sonne in die Nebelsuppe. Vom Licht ins Nichts. Langsam tastet ich mich voran. Herzschlag hoch 3. Wo war ich? Meine Hände verkrampfen sich am Lenkrad, meine Augen starrten konzentriert in die undurchdringliche Wand vor mir. Es war so weit: Meine Reise endete weder in der Natur, noch am angepeilten Ziel. Mein Ausflug endete ähnlich wie die Flugzeuge nicht im „Bermuda Dreieck“, sondern im „Steinhaus Dreieck“. Würde mich je irgendein Mensch vermissen? Würde mich je irgendjemand in diesem “Nebel von Steinhaus“ suchen? Verzweiflung machte sich in mir breit, ich fing an zu beten: „ Lieber Nebelschleier, bitte verflüchtige Dich in andere Gefilde und verlasse meine Wanderroute, möge mein Herz Dich erweichen und gütig stimmen!“ Ich kichert los und drosselte weiters mein Tempo. Stand ich etwa schon im „Sumpf vor dem Steinhaus“? Im selben Moment riss tatsächlich die Nebelwand vor mir auf. Gänsehaut rieselte über meinen Körper.

Welch ein Glück. Meine Fahrt gestaltete sich von da an entspannt und ohne weitere Hindernisse.

© Barbara Prinz 19.10.2019