Glücksmoment hoch 3

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Glücksmoment hoch 3 | story.one

Immer öfters erinnere ich mich an Erlebnisse, die sich wie durch ein Wunder fügten. Zuerst bekam ich knifflige Aufgaben. Dann durfte ich Lösungen und Aus-Wege suchen. Schlußendlich kam immer alles gut. Mein sehnlichster Wunsch ging vor langer Zeit zum 3. Mal in Erfüllung. Ich durfte in meine 2. Heimat reisen. USA. Ich konnte es kaum erwarten, wieder nach Massachusetts, nach Lexington zu kommen. Natur, viel Grün und eine Familie, die mir viel mehr, als "nur" eine neue Unbeschwertheit und Leichtigkeit der englisch-amerikanischen Sprache gegenüber schenkte. Ich war frei und hatte gleichzeitig Familienanschluss. Marija war da, geduldig, ruhig, weise, hilfsbereit, in der Zeit meiner Pubertät, eine wichtige Stütze. John, das Familienoberhaupt, war auch da, gelassen und souverän. Und die 3 Jungs, meine Quelle der Inspiration und Lebensfreude.

Ich erinnere mich an dieses "Ankommen": Die Auffahrt bis zur Garage, das Hochlaufen der Stufen mitten in das Wohnzimmer hinein, die Umarmungen, das Lachen, die Liebe. Hochgefühl pur. Dankbar bezog ich das kleine Zimmer, das ich jedes Mal beim USA-Aufenthalt zur Verfügung gestellt bekam. Glücklich packte ich meine Kleidung in die Kommode und erzählte beim Abendessen vom aufregenden Flug und überbrachte Grüße und Geschenke meiner Eltern: geliebten Meinl Kaffee und Manner Schnitten. Ein paar persönliche Zeilen, Glückstränen.

Ich genoß die Zeit. Dann kam es vor, dass die älteren Buben im Sommer im Feriencamp, die Eltern samt Kleinkind eine Woche in Chicago verweilten. Für mich bedeutete es eine Woche „Housesitting“: Wohnräume sauber halten. Post aus dem Postkasten entnehmen. Ein paar kleinere Ausflüge in die Stadt, zum Pool und zur Obst-und-Gemüsefarm, unternahm ich gerne. Mitte der Woche flanierte ich gemütlich im Zentrum von Lexington durch die kleinen Geschäfte. Ein paar Ansichtskarten brachte ich auch mit nach „Hause“. Als ich zur Eingangstüre kam, bemerkte ich mit Schrecken, dass ich meine Schlüssel nicht bei mir hatte. Mir war klar, er musste innen stecken.

Vor Schreck wurde mir heiß und kalt zugleich. Ich konnte nicht in das Haus. Was nun? In meiner Not rannte ich um das Haus herum und versuchte die Hintertüre zu öffnen. Normalerweise ging ich nie dort hin. Dieser Eingang war versperrt. Doch, was war das? Mein Blick fiel auf ein Paket, welches bei der Türe lag: eingedrückt und ein wenig durchnässt.

Überraschung! Ich entdeckte meinen Namen darauf. Ein Paket für mich? Wow! Von meinen Eltern zum Geburtstag. Das hätte ich unter normalen Umständen nie entdeckt! Mein Jubel blieb mir im Hals stecken, mir fiel meine verzweifelte Lage ein. Plötzlich kam mir die Idee: ein Fenster stand einen Spalt breit offen, dessen Fliegengitter konnte ich verschieben.

„Glücksmoment hoch 3“ mit Herzklopfen: Ich hielt mein Paket in der einen, das Fliegengitter in der anderen Hand und der Schlüssel steckte innen an der Türe! Noch heute spüre ich die Erleichterung und Freude,

Happy me, lucky me!

© Barbara Prinz 24.11.2019