Omakind

Neben meinem Opa war meine Oma ebenso großes Vorbild. Oma kannte ich stets als sehr engagierte Frau. Sie konnte alles und wusste alles. So kam es mir als Kind vor. Ich himmelte sie an. Ihr Wissen gab sie auch an meine Mama weiter. Und zu arbeiten war bei uns immer. Wir hatten in unserer Familie einige Gärten. Es wurde sehr viel gemeinsam gekocht und gebacken, auch die Obst- und Gemüseernte erledigten wir miteinander. Es gab Zwetschken, Kirschen, Marillen, Ringlotten, Äpfel und Birnen, Stachelbeeren, Ribisel und Brombeeren, alles wurde eingesammelt, meist zu Kompott oder Saft verwertet.

Wir lösten Erbsen aus, froren Bohnen ein. Sogar Zucchini, Gurken und jede Mengen Paradeiser wuchsen im Gewächshaus oder Garten. Damals war es mir nicht immer angenehm, mitzuhelfen, lieber wollte ich basteln und zeichnen, oder meinen Gedanken und Träumen nachhängen.

Heute weiß ich, wie wichtig es damals war, dabeizusein. Jede Hand wurde gebraucht, jeder Handgriff war wertvoll. Leider habe ich mir insgesamt zu wenig Wissen über alle Möglichkeite, Obst und Gemüse zu verwerten, angeeignet, einiges ist für mich in Vergessenheit geraten. Am liebsten mache ich Marmelade und Obstkuchen für Geburtstage. Da meine Tante und Urgroßmutter nur ungefähr 5 Kilometer entfernt wohnten, halfen wir dort bei der Ernte oder beim Einkochen mit. Auch bei der Weinlese waren wir dabei.

Später, als wir größer waren, unterstützten wir beim Haus durch putzen und Werkstatt ordnen. Tante und Oma plagten sich schon sehr, Zusammenhalt war gefragt. Die tollste „Belohnung“ nach getaner Arbeit war eine Jause mit Kakao und einem kostbaren „Brynda-Kipferl", das Gebäck der Bäckerei in Göttlesbrunn liebte ich sehr. Noch heute sehe ich die gefüllte Vorratskammer vor mir. In dem kühlen Raum beim Abgang zur Kellerstiege konnte ich entlang der Regale alle möglichen, gefüllten Einkoch-Gläser abzählen. Jedes einzelne war bis obenhin voll. Obstsäfte gab es auch jede Menge. Das war und ist immer sehr besonders für mich. Wir ernten, was wir säen.

Mir kommt immer wieder ein Bild von Oma in den Sinn, als wir sie zum Markttag begleiteten, um sie beim Obstverkauf zu unterstützen. Sie hatte alles auf ihr waldgrün lackiertes Fahrrad gepackt, sie holte uns ab und schon liefen wir los. Meist standen wir eher in der Mitte vom Marktareal am Hauptplatz, um uns herum boten viele Bewohner ihre Waren an. Oma zahlte einige Schilling Standgebühr. Da ihr Obst sehr schön und frisch war, verkaufte sie ihre Ernte schnell. Wir Mädchen liebten diese Markttage: Wir füllten Obst vorsichtig in Papier-Säckchen, die wir dann auch immer vor den Kunden abwiegen durften. Oma passt gut auf, dass alles stimmte. Als Belohnung bekamen meine Schwester und ich nach getaner Arbeit jede eine Extrawurst-Semmel. Oma liebte die Wiener Wurst. Möglicherweise legte sie damals den Grundstein für meine Wien-Liebe?

Jetzt noch liebe ich die Marktatmosphäre, die Farben und Gerüche der Obst-und Gemüsestände. Und denke an Oma.

© Barbara Prinz