Land der ungeahnten Möglichkeiten

  • 147
Land der ungeahnten Möglichkeiten | story.one

Ich war das erste Mal in den USA. USA! Das Land der ungeahnten Möglichkeiten! Damals konnte ich mein Glück kaum fassen. Meine Eltern, besser gesagt, unsere amerikanischen Freunde, Marija und John, ermöglichten mir einen Sommer lang Freiheit pur. Gemeinsam mit ihren Kindern. Massachusetts. Boston. Charles River. Mein neues Zuhause: Lexington:

Wissenswert, dort fiel 1775 der erste Schuss, der den Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges einleitete. Er ging als die Redewendung "der Schuss, der um die ganze Welt gehört wurde"- in die Geschichte ein. Als ich am Flughafen Boston ankam, wurde ich herzlichst von Tante Marija empfangen. Ich war Da! USA! Viel Zeit hatte ich nicht, auszupacken, denn es stand ein aufregendes Wochenende bevor: Als frischgebackene Segelschein-Besitzerin durfte ich die Boston Regatta nicht verpassen:

Sie war ein Teil der transatlantischen Regatta für große Segelschiffe: Gestartet wurde von Vigo nach Teneriffa. Von dort führte die Route über den Teich nach Bermuda, nach Charleston, USA. Boston war der nächste Hafen auf dem Weg nach Kanada bevor es wieder zurück nach Europa ging und die Regatta in Belfast endete. Jedes Jahr wurde der Wochenendstopp in Boston mit einer großen Party gefeiert. Und ich, Glückskind, mittendrin!

Der Hafen war voll mit Drei- und Viermastern aus aller Welt. Ich besichtigte die Schiffe von außen und innen. Staunend. Überwältigt. Sprachlos. Wir genossen den Boston Navy Yard, wo wir Zeit im Museum und Souvenirladen verbrachten. Wir besichtigten die USS Constitution, eine Fregatte der United States Navy. Sie war das älteste noch seetüchtige Kriegsschiff der Welt und nach der HMS Victory das zweitälteste, das noch in Dienst stand. Ihr Spitzname „Old Ironsides“ ging auf ein Gefecht mit der britischen Fregatte zurück, weil Geschosse dieses Schiffs an den starken Bordwänden der Constitution abprallten. Wow, war das ein Nervenkitzel für mich. Ich war hin und weg. Ich überwand meine Schüchternheit und sprach mit dem aktiven Personal der Marine. Die Männer waren mit zeitgemäßer Kleidung ausgestattet und beantworteten meine einfachen Fragen mit viel Freude. Nachdem wir das Schiff besichtigt hatten, taten uns die Füsse weh. Ich brauchte Zeit, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Bei all diesen wunderschönen Erlebnissen machten mir die Zeitumstellung und Heimweh zu schaffen. Marija wusste ein wunderbares Heilmittel: Vormittags-Ausflüge mit den Kindern in den angrenzenden Park, während sie Einkäufe erledigte, und vor allem „Pooltime“ am Nachmittag erfrischte meine Seele. Tage später besuchten wir das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Hochschule liegt direkt am geliebten Charles River. John, der Familienvater, unterrichtete dort. Die Welt, die sich mir öffnete, bot mir ungeahnte Einblicke und ließ mich wachsen.

USA machte mich groß und frei. Unvergesslich. Meine unzähligen Reiseberichte in Briefform sind Zeugen jener Zeit, Danke

© Barbara Prinz 24.11.2019