Magie

Es gibt diese bestimmten Tage in unserem Leben, die im Nachhinein erst den tieferen Sinn erkennen lassen. Und dazu erzähle ich euch meine Sommergeschichte:

Es war ein warmer Sommertag, Anfang Juli, wir entschlossen uns am frühen Nachmittag einen Motorradausflug zur Donau zu machen.

Ich schnappte mir meine Kamera, die ich neben einem kühlen Getränk und Keksen im Rucksack verstaute. Mein damaliger Partner und jetziger Ehemann packte eine Decke ein und los ging es: Rauf auf das Motorrad, den Zippverschluss der Jacke schließen, Helm aufsetzen, Motor starten. Freiheit pur, frische Luft und Sonne, es war wunderbar.

Als wir bei dem angepeilten Ort ankamen, suchten wir sofort ein schönes Fleckchen Wiese in der Nähe der Donau, ein wenig Schatten hier, ein wenig Wärme da. Wir zogen uns die Überbekleidung aus und zögerten nicht lange, rein ins Nass! Das Wasser war so einladend belebend. Nach ein paar Längen Schwimmen ließen wir uns in der Sonne trocknen. Es war ein wunderbares Gefühl, an diesem Tag waren wenig Badegäste, so konnten wir unseren Gedanken nachhängen und plauderten angeregt miteinander.

Als mein Partner ein wenig schläfrig wurde, suchte ich mit meiner Kamera ein paar interessante Objekte für stimmungsvolle Fotos. Nachdem ich im nahen Umkreis ein paar Macro-Aufnahmen versucht hatte, ging ich wieder zu unserem Platz zurück und holte mir eine Erfrischung aus dem Rucksack.

Und dann kam er: der magische Moment:

Innerhalb von Minuten veränderten sich die Farben des Himmels. Von einem Sonnengelb ging es schrittweise fließend in ein helles und dann tiefes orange über. Sofort sprang ich auf, schnappte den Fotoapparat und rannte los. Ich wusste, dass dies eine Atmosphäre war, die ich unbedingt einfangen wollte. Der Weg zur Brücke war mein Ziel. Es war ein schönes Stückchen zu laufen, völlig außer Atem kam ich in der Mitte der Brücke zu stehen. Ich entdeckte noch zwei weitere Gäste, die ebenso wie ich mit offenem Mund das Naturschauspiel beobachteten.

Seit ich zurückdenken kann habe ich noch nie solche Farben am Himmel gesehen, die Spiegelung in der Donau erfasste sogar zwei Schwäne, die sich dahintreiben ließen. Es ist ein Wunder, ich durfte diese Minuten intensiv erleben und in Bildern festhalten.

Tage später, ich hatte diesen Nachmittag schon vergessen, entdeckte ich plötzlich einen Aufruf zu einem Fotowettbewerb. Ich fühlte mich instinktiv davon angezogen. Die Voraussetzung zur Teilnahme war einfach: Man sollte ein "schönstes Wienfoto" einsenden, welches allerdings nicht in irgendeiner Weise bearbeitet werden durfte. Mir war augenblicklich klar, welches Foto dafür geeignet war.

Nach einigen Wochen kam ein Brief. Die Jury hatte entschieden, mein Bild war unter den Besten dabei. Und zu guter Letzt gewann ich sogar den Hauptpreis. Eine Kompaktkamera. Ich löste sogleich mein Versprechen ein: Weil meinem Bekannten die eigene Kamera kaputt gegangen war, schenkte ich ihm meinen Gewinn: Das ist war pure Magie!

© Barbara Prinz