Patchwork mal anders

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Patchwork mal anders | story.one

Patchwork mal anders: Gemeinsam statt einsam, unkompliziert statt distanziert. Geht das überhaupt? Ist dies möglich?

Ich kann euch nach über acht Jahren bestätigen: „Yes! We can!“. Wir Erwachsenen stellten und stellen das Wohl der Kinder in den Vordergrund. Wir fokussierten uns auf das Positive der Familienzusammenführung. Patchwork ist das erfüllendste „Projekt“ in meinem und unserem Leben. Es verlangte viel Kommunikation. Es war spannend, kreativ, herausfordernd, inspirierend. Wir hatten Hoffnung, für „ihre, seine, meine und unsere“ Kinder, die Aufgaben einer „modernen Patchworkfamilie“ miteinander zu erfüllen.

An das erste Kennenlernen mit seiner Ex-Frau erinnere ich mich gut. Ich durfte zu „ihr“ mitfahren, um die Kleinen zum Wochenende abzuholen. Es gab Kaffee und Kuchen für alle. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Was sollte ich sagen? Was würde sie sagen? Und die Kinder? Wie würde das Zusammentreffen sein?

Der Jüngste öffnete die Türe und sprang seinem Papa übermütig in die Arme. Seine Tochter kam zur Begrüßung in das Vorzimmer. Ich schüttelte beiden Kindern die Hand und folgte ihnen in die Wohnküche. Da stand „sie" gerade beim Kaffeegeschirr vorbereiten.

"Hallo, ich bin Barbara. Danke für die Einladung!“, brachte ich über meine Lippen. Ich fühlte, wie mein Herz klopfte. „Ich habe drei Kinder, wie schaffst Du es mit vier? Respekt!“, sagte ich. Sie lachte. Ich lachte. Das war ein guter Start. Die Chemie stimmte.

Wir setzten uns für eine Weile zusammen und plauderten über unsere Pläne für das Wochenende. Sie fragte nach meinen Kindern. Das gleiche Alter der Kids erwies sich als Vorteil. Kaffee und Kuchen schmeckten vorzüglich. Ich genoß die Zeit. Mir war bewusst, dass dieses Zusammentreffen ein besonders war. Die Möglichkeit, wenn Ex-Partner Türen öffnen, Neues annehmen und vor allem für ungewöhnliche Wege offen bleiben, ein Geschenk. Wir verabschiedeten uns bald und ich freute mich über diese Chance, in Hinblick auf die Kinder, zusammenzuhalten und zusammenzuhelfen.

Wenige Monate nach diesem Treffen wagten wir uns an ein neues Thema: Patchworkfamilienurlaub. Nicht alle der großen Kinder konnten mit, aber immerhin waren wir 9.

Wir waren ein lustiger, bunter Haufen. Wir freuten uns auf diese Urlaubs-und Ferientage. Flug und Anreise zum Hotel gestalteten sich angenehm. Wir trafen uns am Tag darauf zum Frühstück. Das entspannte Geplapper der Kinder und das „Sonne-Strand-und-Meer-Feeling“ berührten uns. Wir teilten uns auf. Entweder übernahmen mein Mann und ich alle „Kleinen“, oder ich durfte meine jüngere Tochter in „ihre“ Obhut geben.

Wir Frauen ließen es uns nicht nehmen, ab und an auf einen Kaffee zu gehen. „Seine Ex“ und ich? Wir führten Gespräche und waren uns einig: Patchwork mal anders. Mit Herz und Gespür.

Abends trafen wir uns zur Bühnenshow. Die Kinder tanzten. Wir Erwachsenen klatschten begeistert mit. Und waren dankbar. Dass es auch anders geht. Patchwork als unser Glück.

© Barbara Prinz 26.01.2020