Sieben Leben

Es gibt ein Sprichwort, welches einer Katze 7 und auch 9 Leben nachsagt. Die Sieben wird oft als Synonym für die Unendlichkeit interpretiert. John Lennon sang in meinem Geburtsjahr 1971 "Well you know that your cat has nine lives" im song "Crippled inside". Es existieren viele Vermutungen zur Herkunft dieser Redewendung, aber vielleicht wisst ihr mehr dazu?

Im ersten Gymnasiumsjahr erlebte ich folgendes:

Wir Schüler hatten einen lustigen Sporttag hinter uns. Auf dem großen Platz vor dem Schulgebäude versammelten sich noch ein paar Jugendliche, sie plauderten, lachten, umarmten und verabschiedeten sich voneinander, manche sassen noch eine Weile auf der halbhohen Mauer, die das Schulgelände vom Fußgängerbereich und der Strasse abgrenzte. Unter jenen Mädchen und Burschen war ich dabei. Wir tauschten uns noch über die Ergebnisse der Wettkämpfe aus und waren stolz auf unsere sportlichen Erfolge.

Plötzlich vernahm ich direkt neben mir ein sonderbares Geräusch. Zuerst dachte ich, es wäre Einbildung, oder ein Summen in meinen Ohren. Aber das Quietschen und Fiepen blieb. „Hört ihr das, fragte ich verwundert, was kann das sein?“

„Keine Ahnung! Komm, lass uns heim gehen!“ meldete sich einer der Jungen zu Wort. Die Kinder wandten sich ab und ich blieb zurück.

Mir ließ es keine Ruhe, ich wollte unbedingt das Rätsel der mir "unbekannten Töne" lösen. Ich bückte mich und krabbelte die Gebüsche entlang. "Was machst Du da?", hörte ich eine Stimme. Ich suchte weiter und tastete mit meiner Hand vorsichtig den Boden ab. Als ich etwas Weiches spürte, erschrak ich. "Ich weiss nicht, keine Ahnung, lass mich ...", sagte ich.

Endlich ertasteten meine Finger ein "Etwas" mit Fell und dann erkannte ich ein winziges Etwas, ein Kätzchen!

"Oh, schau, die Arme!", ich fing zu weinen an. Es rührte mein Herz. Es war so klein und zart und jammerte schrecklich laut, im Vergleich zur Körpergröße. Ohne mich umzusehen packte ich das Tier in mein Shirt und rannte los.

Völlig atemlos, verschwitzt und verdreckt kam ich zu Hause an. "Mama, Mama, bitte hilf mir, schau!", rief ich meine Mutter und die Tränen liefen pausenlos über meine Wangen.

Meine Mama war glücklicherweise damals zu Hause und kam mir sogleich entgegen, als sie merkte, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.

Unverzüglich erfasste sie die Situation und zog mich in die Arme. "Wir schaffen das schon, komm her, gib mir die Kleine!".

Ich war so erleichtert, mir schlotterten die Knie. Es war gerettet.

Zuerst reinigte meine Mutter das Fell des Kätzchens, danach fütterte sie das ungefähr acht Tage alte Tier fast alle 2 Stunden, auch nachts.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich meine Mama bewundere, dass sie es schaffte, die kleine Fellnase durchzubringen. Unser Familienzuwachs Bärli überlebte Jahre später auch noch einen schweren Unfall. Sie wurde 21 Jahre alt. Sie begleitete mich durch meine ganze Kindheit und Jugendzeit. Unvergessen, dankbar für diese bedingungslose Tierliebe.

© Barbara Prinz