Vom Himmel

Das Leben schickt uns täglich Zeichen.

Manchmal sind es kleine, versteckte, oftmals aber große und offensichtliche Signale. Wenn wir für diese Hinweise frei sind, werden wir reich beschenkt.

In unserer "schnelllebigen Zeit" lernen wir glücklicherweise wieder "bewusst langsamer zu gehen". Die kleinen Freuden wahrzunehmen, diese mit offenen Herzen zuzulassen, ist eine wahre Kunst.

Wie Kinder staunen wir über farbenfrohe Schmetterlinge in der Natur, wir erkennen die Schönheit einer halb verfallenen Ruine bei einem Sonntagsausflug, oder wir erinnern uns beim Klang einer freundlichen Stimme am Telefon an eine frühere Liebe. Beobachten wir einen Marienkäfer am Wegesrand oder eine Hummel, die vom Nektar trinkt, geraten wir regelrecht in Verzückung.

Wunder geschehen immer und überall, vor allem nahezu unsichtbar, unerwartet und an einem ganz normalen Tag.

So auch damals, als ich mich mit meiner Freundin in der Stadt zum Essen verabredet hatte. "Hallo, Nic, Du strahlst ja mit der Sonne um die Wette!", rief ich, ich freue mich so dich endlich wieder zu treffen!" "Hallo, Babsi, lass uns gemeinsam strahlen", umarmte mich Nicole und wir machten uns auf den Weg in ein nahegelegenes Lokal. Wir hatten uns schon länger nicht gesehen und hatten uns einiges zu erzählen. Wir fanden mitten in einem Gastgarten einen hübschen Tisch und gönnten uns gutes Essen und Trinken.

Während unserem Gespräch kamen viele interessante Themen auf. Wir überlegten, welches Tattoo unsere langjährige Verbundenheit am Besten symbolisieren könnte.

Dann erzählte ich von meinem Brief, den ich für unseren Patensohn aus Kalkutta vorbereitet hatte. Nic und ich hatten beide bei einer bekannten Organisation je ein Patenkind. Wir überlegten, diese Kinder einmal persönlich zu besuchen.

Ich versprach meiner Freundin:" 'Weisst Du, wenn es so ist, erfahren wir es rechtzeitig. Wenn es geschehen darf, unsere Patenkinder kennenzulernen, dann kommt bestimmt ein deutliches Zeichen!"

Kaum hatte ich meine Worte ausgesprochen, landete plötzlich eine kleine, weisse Feder mitten am Tisch.

Beide starrten wir wie hypnotisiert auf dieses flauschige, fluffige Etwas und hielten die Luft an.

"Das gibt es nicht, das ist jetzt... was sagst Du dazu?", fragte mich meine Freundin. Ich hob den Kopf und bemerkte, dass über uns nichts war. Nur freier, wolkenloser Himmel. Kein Dach, kein fliegendes Tier, einfach nichts.

"Nicole, das ist es! Schau Dir dieses zarte Gebilde an, oh, sooooo schööööön...".

Und in dem Moment, als wir uns ungläubig ansahen, im Wissen, dass gerade etwas Besonders geschehen war, landeten zwei weitere Federn zwischen uns.

Wir sahen uns an. Worte waren überflüssig. Wir erfuhren in diesem Augenblick tiefes Vertrauen und Dankbarkeit.

"Aller Guten Dinge sind drei, Barbara!", deutlichere Zeichen von oben gibt es wohl kaum. Wir fingen zu kichern an und lachten so lange, bis wir fast von den Sesseln rutschten.

© Barbara Prinz