Wie hat er das gemacht?

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Mein Sohn ist ein Junikind. Das war sehr praktisch und ideal für seine heiß geliebten Geburtstagsfeiern mit Schulfreunden. Und es fügte sich gut, dass seine kleine Schwester mit ihren Freundinnen mitfeiern konnte. Als der Bub acht Jahre alt wurde, wollte er nach einer Piratenparty und einer Prinz-und Prinzessinparty etwas Besonderes "zaubern". Er selbst würde auf seiner "Hexen-und Zaubererparty" Kunststücke vorführen.

Glücklicherweise hatten wir ein paar Wochen Zeit, uns vorzubereiten. Ich besorgte Karton, Folie und Stifte. Ein Impuls nach dem anderen wollte kreativ umgesetzt werden. Zuerst machte ich Notizen.

Mein Sohn ließ sich von meiner Begeisterung anstecken und schrieb eine Wunschliste, denn schließlich brauchte ein echter Zauberer einige Utensilien für einen grandiosen Auftritt. Für die kleinen Gäste entwarf ich einen Hasen mit Zylinder und nahm es als Deckblatt für das Rätselheft. Ein Bastelkoffer und Magierkoffer rundeten unsere Vorbereitungen ab. Am spannendsten war es, einen quadratischen Spiegel zu beschaffen, der in einer Box versteckt den Zaubertrick erst richtig fantasievoll zur Geltung brachte. Wir waren im Rausch der Vorbereitungen, als ich entdeckte, dass wir fast vergessen hätten, das Kostüm zu besorgen. Ein dunkelblauer Umhang mit goldenen Sternen schien perfekt dafür zu sein, aber es fehlte ein Zylinder. Kurzerhand kreierten wir ihn selbst.

Endlich war der wichtige Tag gekommen: der Geburtstagstisch war gedeckt, die Torte stand am Tisch. "Oh, die Kerzen! Wo hab ich die denn versteckt!", rief ich verzweifelt. Glücklicherweise hatte meine Tochter die Idee, im Naschkasten zu suchen. Sie wurde fündig, die Party war gerettet. Die geladenen Gäste waren begeistert und hingerissen, als mein Sohn nach dem "Happy Birthday" die Torte verteilte und stolz von einem Ohr zum anderen Ohr grinsend verkündete:" Heute zaubere ich für Euch, und ihr werdet nicht drauf kommen, wie ich das mache!" Zuerst überreichte ich die Spielmappen an die Kinder, es wurden gerätselt, geredet und gelacht. Die Aufregung und Freude der jungen Gesichter erfüllt mich mit großer Zufriedenheit.

Dann legte mein Sohn endlich mit seiner Darbietung los. Die anfangs leichten Tricks wurden von seinen Freunden durchschaut. Und dann kam die Täuschung mit der Zauberbox. Es war nichts darin zu sehen. Die Kiste war leer. Der Zauberkünstler schüttelte die Schachtel, es war nichts zu hören. Nach dem Zauberspruch "Abrakadabra, Hokus pokus fidibus!" öffnete mein Sohn noch einmal das Türchen, uns siehe da, er zog und zog. Viele leckere Zuckerl und ein langes rotes Band fiel zu Boden. Die jungen Buben und Mädchen kreischten und johlten. Was für eine Überraschung! Dem besten Freund meines Sohnes blieb der Mund offen stehen. "Wie hat er das gemacht? Bitte, ich mag es wissen! Das gibt's ja nicht!", stotterte er völlig verblüfft.

"Echte Zauberer verraten keinen Trick!", lachte mein Kind, sprach's und lief der Kinderschar davon.

© Barbara Prinz