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Wien bei Nacht

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Wien bei Nacht | story.one

Wien war in früheren Zeiten musikalisch der Mittelpunkt der Welt. Wunderbare Melodien wurden von Meistern wie Johann Strauss Vater und Sohn erschaffen. Haydn, Beethoven und Mozart prägten die "Wiener Klassik", wie keine anderen Komponisten. Unsere Stadt inspirierte damals und bewegt noch heute, Musiker, Schriftsteller und Künstler:

Rainhard Fendrich sang: „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehn, haben Sie das schon erlebt?“ „Ich? Ja!“

Es war unvergesslich und unvergleichlich. Wir fühlten den Wiener Puls zu zweit: meine Kamera und ich. Die Innenstadt war hell erleuchtet: Es waren exquisite Hotels am Ring, die bei Dämmerung in vielfältigste Farben getaucht wurden. Wien nachts zu bewundern, berührt. Egal ob das „Marriott“ in blau oder das „Imperial“ in gold erstrahlten. Auch das „Ferdinand“, „Le Meridien“, „Grand Hotel“ und „Bristol“, all diese Gebäude und Farben sind mir vertraut.

Ich erzähle Euch, wie es geschah, dass ich mich in die Stadt Wien verliebte: Vor ungefähr zwanzig Jahren bekam ich zum ersten Mal einen besonderen und außergewöhnlichen Plan von der Wiener Innenstadt zu sehen: Und ich war von den detailreichen Gebäudeillustrationen begeistert. Die Gestaltung und farbliche Umsetzung gefielen mir so gut. Der Urgroßvater meiner Kinder entwickelte vor vielen Jahren die Idee, einen Plan in Vogelperspektive zu zeichnen. In vierjähriger Arbeit verwirklichte Uropa Ludwig S. diese ansprechende Karte von Wien. Es waren mühevolle und umfangreiche Recherchen nötig, um die Details zu skizzieren. Nur ein Jahr konnte sich der Mann an der Veröffentlichung des Planes erfreuen. Urgroßvater L. verstarb plötzlich und unerwartet. Ungefähr 1999 zeichnete der Enkel des Uropas, also der Vater meiner Kinder, die fehlenden „moderneren“ Gebäude, wie „Marriott“, „Haas-Haus“, “Hotel Plaza“, dazu.

Ich erinnere mich: Wenn die Lupenlampe leuchtete, die Feder über das Papier kratzte, entstanden einige neue Tuschezeichnungen. Diese „Ergänzungsskizzen“ wurden mehr und mehr. Der ursprüngliche Plan wurde bald um den Karlsplatz erweitert. Es dauerte allerdings noch acht Jahre, bis das Projekt in vollem Umfang realisiert und präsentiert wurde. Wir, als Familie, staunten, waren begeistert und stolz.

Noch heute ist der Wien-Plan bei der Staatsoper in einem Schaufenster zu sehen. Beim Stadtbummel gehe ich „meine Lieblingskarte von Wien“ begrüßen. Nur ein bisschen blass ist der Plan geworden, durch die jahrelange Sonneneinstrahlung. Ein paar Exemplare schickte ich in die Welt hinaus: Wien Fans gibt es überall. Vielleicht habt ihr Interesse Wien bei Nacht zu erforschen. Wenn die Lichter alles zum Strahlen bringen, ist die Atmosphäre eine völlig andere als tagsüber. Ich habe es erlebt und gespürt.

Und ich höre das Lied: „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?“ von Rainhard Fendrich. Und auch von Falco. Und das lässt mich wissend lächeln. Wien ist einen Besuch wert. Am Tag und in der Nacht.

© Barbara Prinz 2019-09-25

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