Augenblick

Seit Stunden sassen wir in diesem Café, wir hatten über dieses und jenes gesprochen, ich hatte ihn zum Lachen gebracht, und dann ein Moment der Unvorsichtigkeit, eine Minute der Unbedecktheit, ein Blick in seine Augen, der einen Lidschlag zu lange dauerte und plötzlich war da eine Verbundenheit, die mich verlegen machte. Being connected . Stille...draussen fiel der Schnee in dicken Flocken , es war klirrend kalt, drinnen war es warm und um uns herum brauste die Konversation der anderen Gäste wie von fern.

"Ich muss los", er half mir in den Mantel , hielt mir die Tür, draussen biss die Kälte. Er band sich den Schal. "Lass uns noch ein wenig gehen". Ich spürte den Streusplit durch die duennen Sohlen meiner hohen Stiefel und redete viel zu viel. Er blieb stehen. "Du frierst" bedachtsam zog er seine Handschuhe aus und legte seine warmen Hände auf meine kalten Ohren. Ich sah hoch, in seine Augen, und da war es wieder...being connected.

Der erste Kuss, die erste gemeinsame Nacht, ein Wochenende am Land. Der erste gemeinsame Frühling, eine rote Rose als Geschenk, die erste lange Trennung, wie sehr habe ich ihn vermisst. Die Freude, die perlend wie Champagner in mir hochstieg, wann immer ich ihn sah. Eine laue Sommernacht und eine Junikäferattacke, die uns atemlos vor Lachen und Glück machte. Seine Wohnstrasse mit roten Geburtstagsluftballons gesäumt, die er feierlich zur Strasse der Herzen ernannte.

Ein Weihnachtsstern als Geschenk, das erste gemeinsame Weihnachtsfest mit seiner Familie, liebevoll und behütet.

Der erste Streit, die erste Versöhnung. "Ich bin nachtragend, vergiss das nie."

Ich träumte seinen Schmerz, seine Wut und es war auch meine...being connected.

Der zweite Streit, sein Abschiedsbrief "Danke für die wunderschöne Zeit mit dir."

Jede Nacht der gleiche Traum von ihm, sprachlos nur sein Blick...still connected.

Vielleicht , aber nur vielleicht werde ich in Zukunft meinen Blick senken und die Augen sittsam zu Boden schlagen...

© Barbara Schuch