Erika und Franz 59 Ehejahre

Ich bin wiedermal in einem fremden Wohnzimmer, diesmal von Erika und Franz. Der Tisch ist liebevoll mit Blumen für eine Jause gedeckt. Es duftet nach selbstgebackenen Kuchen, draussen stürmt und regnet es, aber hier drinnen ist es warm und gemütlich.

Franz: Wir haben uns bei einem Tanzabend kennengelernt und ich hab es gewagt und sie aufgefordert.

Erika: Er ist mir aufgefallen, er war so ein fescher Bursch. (sie lächelt) Fesch bist du noch immer, Franzl

Franz: (lächelt zurück) Aber Bursch bin ich halt keiner mehr. Mir hat gleich ALLES an ihr gefallen,… was man halt so gesehen hat.

Erika: Später hab ich ihn dann besser kennengelernt und sein liebevolles Wesen, seine ruhige Art und seine Herzensgüte haben mir das Gefühl gegeben, dass er der richtige ist.

Franz: Am Bisamberg, ganz oben am Sender, mit Blick über Wien, hab ich sie vorsichtig gefragt, ob sie mich heiraten will, sie hat ja gesagt. Geheiratet haben wir dann im Mai 1960.

Erika: Weißt du noch Franzl, das war so ein heißer Tag.

Franz: Ja, und wie. Ein bisserl kann ich es immer noch spüren.

Erika: Ein Jahr später kam unsere erste Tochter.

Franz: Ganz so, wie es nun mal der Regel entspricht. 5 Jahre später unsere zweite Tochter. Wir haben uns ein Heim geschaffen, und ich hab viel selber gemacht.

Erika: Das ist natürlich sehr von Vorteil, wenn der Mann handwerklich geschickt ist, aber es war schon auch anstrengend. Trotzdem haben wir eigentlich nie so richtig gestritten. Manche unserer Freunde meinen, ob das nicht fad ist.

Franz: Ich mein, es herrschte nicht immer Hochstimmung. Aber es ist wichtig, dass man Respekt voreinander hat und auch großzügig miteinander ist.

Erika: Ich bin zuhause geblieben und du warst der Alleinverdiener. Und dabei hast du mir immer das Gefühl gegeben, dass ich gleichviel beitrage.

Franz: Ich mag halt ein schönes Zuhause, und dein gutes Essen, und wenn einfach alles gemütlich und stimmig ist. Als ich in Pension gegangen bin, wollte ich ihre Küche organisieren, ich sag nur soviel: Es ist nicht gelungen.

Erika: ...und er bringt mich zum Lachen. Malakofftorte ist sein Liebstes. Die mach ich ihm immer zum Geburtstag. Pudding liebt er auch und ich lieb es, wenn er mich in die Arme nimmt. Das Glücklichsein, das kann man nicht so recht in Worte fassen, das spürt man.

Franz: Ich sag ihr oft, dass sie die allerbeste ist. Ich hab meine erste und einzige große Liebe geheiratet.

Erika: Die Blumen hier sind alle von ihm. Und wenn er traurig ist, oder sich Sorgen macht, dann spür ich es hier.

Sie deutet auf ihren Bauch.

Aber ich glaub, es sitzt ein bisserl höher, nämlich direkt im Herzen.

© Barbara Schuch