Theresia und Johann 44 Ehejahre

Draußen liegt ein dichter Nebel über den frostigen Feldern. Es ist ein eiskalter Februarnachmittag in Niederösterreich. Ich sitze in der „Guten Stube“ des Bauernhofs von Theresia und Johann und ich bin schon sehr gespannt auf das Gespräch mit den beiden. Sie sind seit 44 Jahren glücklich verheiratet ist, und dass sie sich liebhaben, das spürt man. Hier ist ihre Geschichte:

Theresia: Er war der Freund von meinem Bruder. Mir hat seine Ernsthaftigkeit gleich gefallen. Er war anders als die anderen im Ort, sicher deshalb, weil sein Vater so früh gestorben ist. Ich hab an seinen Augen gesehen, dass er der richtige ist. Ich hätte mir aber nie gedacht, dass ich ihm auch gefalle. Er hat dann bei mir gefensterlt. Es war schon recht kalt und ich hab ihn meine Weste gegeben, damit er nicht friert. Da hab ich ihn schon ein bisserl mögen. Viel gehabt haben wir beide nicht. Aber um mich zu sehen, hat er immer einen Weg gefunden, das war ihm wichtig. Meist hat er sich ein Moperl ausgeborgt.

Johann: Ja die Weste, die war mein Wegpfand. Da hab ich gleich einen Grund gehabt, sie wieder zu sehen. Ich hab gewusst, dass sie die Richtige ist, weil sie eine ist, die zu einem steht. Und wie ich sie dann wieder gesehen hab, da hab ich gleich geglaubt, ich bin im Paradies. Sie hat mir zwar keinen Apfel gegeben, aber richtig gute Birnen. Na und dann musste ich natürlich wiederkommen, um ihr danke zu sagen.

Als meine Schwester geheiratet hat, hab ich mich beeilt, um am Hochzeitsbild neben ihr zu stehen. Ich hab dann ihre Hand gehalten, aber so, dass es niemand sieht. Es war ja noch im Geheimen.

Theresia: Wir haben dann auch bald geheiratet, wir waren damals gerade 21.

Johann: Uns war bewusst, dass viel Arbeit auf uns wartet. Aber wenn wir zusammenhalten, dann werden wir es schaffen. Es war nicht immer einfach, aber wir haben uns etwas versprochen, und dazu steht man. So haben wir das von unseren Eltern gelernt. Wir haben in jungen Jahren verzichten lernen müssen, und dann hat man auch eine Freud aneinander. An ein Auseinandergehen hat nie jemand gedacht. Natürlich gibt es hin und wieder Meinungsverschiedenheiten, aber wir gehen nie bös schlafen.

Theresia: Am Abend haben wir uns immer etwas zu erzählen, wir plaudern halt gern und spielen gemeinsam Karten. Wir haben 3 Kinder, alles Söhne, und 6 Enkerln auch alles Buben. Unser Haus ist voll, unsere Enkerln, deren Freunde, es ist immer jemand da. Unser Leben ist schön miteinander.

Er vergisst nie, mir Blumen zu bringen.

Sie ist da für mich, wenn ich heimkomm.

Sie ist die, mit der ich jeden Tag aufwachen möchte.

Am Abend vor dem Einschlafen halt ich seine Hand, und bin dem lieben Gott so dankbar, dass ich ihn hab.

© Barbara Schuch