Familienausflug (3)

Am Mittag hole ich Beate und ihre Mutter auf dem Parkplatz in der Medina ab. Ich verstehe den Namen der Mutter nicht, also nenne ich sie gleich M´ma, worüber beide lächeln. Scheint also in Ordnung. M´ma ist schon ziemlich alt, aber sympathisch. Auch sie ist dünn wie Beate. Haben die in Deutschland so wenig zu essen? Ich mag lieber Frauen mit was auf den Hüften, wo man schön reingreifen kann. Bei Beate nicht. Macht aber nichts.

Wir nehmen ein Taxi zu den Ourika Wasserfällen. Ich sitze neben dem Fahrer, mit dem ich mich in unserer Sprache unterhalte. Er kommt aus meiner Gegend, also gibt es genug Gesprächsstoff. Die Frauen sehen hinten schweigend aus dem Fenster. Es ist heiß und stickig im Taxi. M´ma fürchtet den Fahrtwind.

Wir halten bei einigen Berbern mit einem Kamelbaby. Ich frage Beate und M´ma, ob sie fotografieren wollen. Sie steigen aus und streicheln das junge Tier, das mit der Flasche aufgezogen wird. Natürlich wollen die Männer an der Straße was verkaufen, sie ziehen Berberdolche, Schmuck und anderen Kram hervor. Beate und M´ma kaufen einem irgendwas ab, aber alle übrigen wollen auch Geld verdienen und bilden laut palavernd einen immer enger werdenden Kreis um die beiden. Ich stehe etwas entfernt im Schatten, rauche und sehe zu. Beates Mund formt sich zu einer schmalen, waagerechten Linie. Das Gefeilsche dauert etwa zwanzig Minuten, dann fahren wir weiter.

An einer Arganöl-Kooperative unterbrechen wir die Fahrt wieder. Ich glaube, das Öl ist das beste Produkt aus Marokko. Deshalb nennen wir es flüssiges Gold. Beate war auch mit diesem Stopp einverstanden. Eine Berberin erklärt ihr und M´ma die Verarbeitung der Argannüsse und zeigt ihnen natürlich auch die käuflichen Produkte, während ich mit dem Fahrer draußen entspannt Tee trinke und rauche. Als ich gerade einnicke, erscheint Beate plötzlich wie eine Furie und wagt es, mich vor dem Fahrer anzuschreien: "Alle wollen uns hier nur ihren Scheiß andrehen und bedrängen uns. Aber du sagst NICHTS! Und rauchst dabei auch noch MEINE Zigaretten. Geht’s noch?“ Ich muss mich echt zusammenreißen, ruhig zu bleiben. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass der Fahrer verstohlen grinst und eine unhöfliche Geste macht. Ich lächle Beate an, versuche sie zu besänftigen und kaufe ihr neue Zigaretten. Doch sie kocht und beruhigt sich nicht. Das sind diese anstrengenden Situationen mit ihr, die mir echt auf die Nerven gehen. Ihrer Mutter ist das Ganze auch unangenehm. Sie versteht kein Französisch und nur wenig Englisch, also weiß sie gar nicht, was Sache ist.

Nachdem Beate Tee getrunken und eine geraucht hat, verraucht allmählich auch ihre Wut. Ich halte ihre Hand ganz fest, obwohl sie sie immer wieder wegzieht. Dann endlich lächelt sie und küsst mich vor M´ma. Das ist mir peinlich, denn es gehört sich nicht. Aber nun entschuldigt sie sich wenigstens – wurde ja Zeit.

Der Rest des Tages verläuft friedlich wie ein Familienausflug. Was es eigentlich auch ist. M´ma mag mich, ich spüre es. Läuft also.

© Beate-Luise